Pressetermin zum Baufestival Halle Freiimfelde - Foto: Marcus-Andreas Mohr

Pressetermin zum Baufestival Halle Freiimfelde - Foto: Marcus-Andreas Mohr

Mehr Augenhöhe zwischen Projekten und Kommunen

Für eine gute Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Initiativen sollten die Partner wohlwollend und im Wissen der Bedeutung des jeweils anderen für die Nachbarschaft und die Realisierung von Projekten kooperieren. Mehr Augenhöhe auf beiden Seiten ist hier gefragt! Denn statt einer interessanten und verlässlichen Kooperation steht oftmals eine Begegnung mit wechselseitigem Misstrauen. Wir haben Tobias Bäcker, erfolgreicher Projektmacher aus Schwerte, gefragt, wie mehr Augenhöhe gelingen kann.

Am Beginn eines Projekts steht eine Gruppe von Menschen (Voraussetzung 1) mit einer Idee oder einem groben Konzept (Voraussetzung 2). Auch wenn aus den Menschen erst noch ein Verantwortungsteam werden und die Idee noch zu einem Konzept reifen muss – ebenfalls von Anfang an tritt eine Projektinitiative in Beziehung zu anderen Akteuren: zu Sachbearbeitern in der Verwaltung, Politikern in den Stadträten, potentiellen Geldgebern wie Banken oder Förderinstitutionen. Die Stärken der Initiatoren sind die begeisternde Idee und ihr persönliches Engagement. Dennoch treffen sie nicht immer auf offene Türen und schon gar nicht auf wertschätzenden Respekt und ernstnehmende Akzeptanz. Schnell findet man sich in der zumindest gefühlten Rolle desjenigen wieder, der bitten und betteln, lernen und liefern muss.

Wie lässt sich „Augenhöhe“ herstellen, erzeugen oder erarbeiten? Ein paar Hinweise!

Das Gelingen verkörpern!

  • Selbst an den Erfolg der Projektidee glauben, dies verkörpern und damit indirekt zur Grundvoraussetzung allen Handelns machen. „Wir werden!“ statt „Wir würden gern!“
  • Verbündete dafür gewinnen, bei etwas Gelingendem, am besten bei etwas Sinnvollem dabei zu sein. Hierfür gemeinnützige Inhalte und ehrenamtliches Engagement herausstellen. „Einladung zum Erfolg“ statt „Hilferuf in der Not.“
  • Im Erstkontakt mit Sachbearbeitern, Politikern, Geldgebern immer Selbstbewusstsein ausstrahlen und indirekt die Annahme formulieren, dass auch das Gesprächsgegenüber die Idee gut findet. „Nur noch“ über das „Wie“ statt über das „Ob“ sprechen.
  • Problemlösungen und Fortschritte öffentlich verkünden, an Problemen im Hintergrund arbeiten. Freude zeigen, nicht eigene Bedenken.

Augenhöhe entsteht zunächst im eigenen Kopf!

  • Selbstprogrammierung! Lächeln, Blickkontakt, proaktive Kommunikation, Schnelligkeit, Authentizität und eine kooperative, unideologische Grundhaltung.
  • Wir sind viele! Deutlich machen, dass man nicht allein ist, sondern „Sprecher“ eines Teams oder einer Bewegung, die schon viele Unterstützer gewonnen hat.
  • Das Gegenüber im Blick haben! Welche Interessen oder Denkweisen verfolgt der Gesprächspartner: Verwaltungen denken sektoral und in Zuständigkeiten; Banken wollen Zahlen sehen; Spender am Herzen berührt werden; Investoren und Geschäftspartner müssen Geld verdienen; Politiker brauchen Argumente, aber auch öffentliche Inszenierung.

Oberhand in der Kommunikation!

  • Termine per E-Mail anfragen, telefonisch festmachen, im Nachgang per E-Mail noch einmal alle Beteiligten einladen bzw. den Termin bestätigen.
  • Sich über die eigenen Fragen oder Ziele im Klaren sein und Inhalte des Gesprächs vorher mit einer „Tagesordnung“ ankündigen, vorstrukturieren, ggf. in Teilfragen zerlegen.
  • Abschließend in einem Kurzprotokoll zusammenfassen, das allen Teilnehmern zur Freigabe zugeht. Dabei für Zeit und immer auch für Unterstützung danken und somit Verbindlichkeit herstellen.
  • Zusagen, Aufgabenverteilungen, Terminsetzungen notieren und auf Wiedervorlage nehmen, dann freundlich nachhaken.

→ So entsteht ein Gravitationspunkt im Anschieben des Projekts, der bei der Projektinitiative liegt.

Vorbild in Verbindlichkeit sein!

  • Immer etwas früher da sein und etwas länger bleiben!
  • Aufgaben wie Protokolle oder das Beibringen von Unterlagen übernehmen und penibel erledigen!
  • Fristen und Zusagen einhalten bzw. rechtzeitig anmelden, wenn etwas nicht klappt!

Also: Nicht nur ein begeisterndes Bild vom Projekt zeichnen, sondern es mit bürgerlichen Tugenden unterfüttern.

→ So entsteht Vertrauen in das Projekt und ein positiver Druck auf andere Akteure, ähnlich verbindlich mit der Sache umzugehen.

Immer die Lösung im Blick!

Bei Problemen oder Bedenken den Gesprächspartner zum Lösungsfinder machen:

  • Sei es durch Zerlegung eines Großproblems in kleine Lösungsschritte,
  • sei es durch die einfache Frage „Wie können wir das lösen?“,
  • sei es durch die Klärung „Wen brauchen wir, um das zu lösen?“

Unideologisch und schmerzfrei Menschen ans Projekt binden:

  • Politiker durch Pressetermine.
  • Sponsoren durch Logos auf Plakaten.
  • Pro-bono-Experten durch Lob ihrer Kompetenz.
  • Sachbearbeiter durch Dank für ihr Engagement.

Bei Gegenwind und Rückschlägen: erst recht und sowieso weitermachen.

Sich klug machen!

  • Auch in kniffligen Fachfragen lässt sich durch Internetrecherche zumindest ein Problemüberblick gewinnen, der in Gesprächen nützlich sein kann.
  • Statt Fachterminologien nachzubeten, besser die Problemlagen in eigenen Worten beschreiben und damit dem Projekt sein „Wording“ aufdrücken.
  • Kompetente eigene Fachleute gewinnen, die mit externen Fachleuten auf fachlicher Augenhöhe sprechen können, jedoch im Sinne des Projekts. Aber: Fachleute sind Zuarbeiter, nicht Projektmacher.
  • Wissenslücken und Defizite selbstbewusst und vorab „zugeben“, damit die Partner zu Helfer bei der Lösung werden können.

Autor/en

Foto: Tobias Bäcker

Tobias Bäcker ist seit 2002 Geschäftsführender Vorstand der Bürgerstiftung Rohrmeisterei. Das von dem Germanisten und Theaterwissenschaftler initiierte Projekt der Umnutzung des maroden Industriedenkmals Rohrmeisterei zum subventionsfrei betriebenen Kulturzentrum ist inzwischen ein Motor bürgerschaftlich getragener Stadtentwicklung in Schwerte und gleichzeitig ein Modell für gemeinwohlorientiertes Unternehmertun. Seit 2012 engagiert er sich im Projekt „Rund um St. Viktor“, das die historische Stadtmitte Schwertes neu belebt.