Die drei Bundessieger - von links: Projektvertreter des 1. Platzes, "Tag des guten Lebens" der Agora Köln, Projektvertreter "Witzin macht Zukunft" der Dörpschaft Witzin e.V. und "Lebensmittel retten Magdeburg" des Spielwagen e.V., beide zweiter Platz. Im Hintergrund Landessieger und Dr. Thomas de Maizière, Bundesminister des Innern und Schirmherr des Deutschen Nachbarschaftspreises 2017. (Bildnachweis: nebenan.de Stiftung)

Die drei Bundessieger - von links: Projektvertreter des 1. Platzes, "Tag des guten Lebens" der Agora Köln, Projektvertreter "Witzin macht Zukunft" der Dörpschaft Witzin e.V. und "Lebensmittel retten Magdeburg" des Spielwagen e.V., beide zweiter Platz. Im Hintergrund Landessieger und Dr. Thomas de Maizière, Bundesminister des Innern und Schirmherr des Deutschen Nachbarschaftspreises 2017. (Bildnachweis: nebenan.de Stiftung)

Deutscher Nachbarschaftspreis 2017: Bundessieger ist der „Tag des guten Lebens“ aus Köln

Gestern, am 13. September kamen alle 16 Landessieger zur Preisverleihung des Deutschen Nachbarschaftspreises 2017 der nebenan.de Stiftung in Berlin zusammen. In nur wenigen Wochen gingen bei der nebenan.de Stiftung über 1.300 Bewerbungen von gemeinnützigen Organisationen, Vereinen, Nachbarschaftsgruppen und -initiativen ein. Drei Projekte haben es geschafft, die Jury zu überzeugen und nehmen damit auch eine Vorbildfunktion auf Bundesebene ein. Die Montag Stiftung Urbane Räume war mit Oliver Brügge in der Bundesjury. Glückwunsch an alle Preisträger, darunter auch einige Teilnehmer unserer Werkstätten!

Die Bundessieger

Foto: Miriam PflügerDen ersten Preis, der mit 15.000 Euro dotiert ist, gewann die Bürgerinitiative Agora Köln mit ihrem Projekt „Tag des guten Lebens“. Dieser Aktionstag regt zum Nachdenken über und Mitmachen bei alternativen Nutzungskonzepten des öffentlichen Raums und der nachbarschaftlichen Zusammenarbeit an. In Köln-Deutz wurden dafür vier Tage autofreie Straßen geschaffen, die in Selbstorganisation von den Anwohnerinnen und Anwohnern für ein buntes Straßenfest mit Diskussions- und Erprobungsraum alternativer Ideen umgenutzt wurden. Das Projekt ist gleichzeitig Startpunkt für ein nachhaltiges nachbarschaftliches Engagement. “Der Tag des guten Lebens‘ ist nicht nur ein einmaliges Straßenfest. Dem Projekt geht es darum Platz zu schaffen, für das kreative, nachbarschaftliche Miteinander. Anwohnerinnen und Anwohner gestalten ihr Viertel für ein Wochenende und darüber hinaus gemeinsam. Das schafft langfristige Veränderung: In den Köpfen und auf den Straßen.” sagt Maria Lohende, Vorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland und Mitglied der Bundesjury.

Den zweiten Platz teilten sich gleich zwei Projekte jeweils mit einem Preisgeld von 7.000 Euro: „Witzin macht Zukunft“ des Dorfes Witzin bringt engagierte Bewohner zusammen, die das Dorfleben im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern selbst in die Hand nehmen. Die ehrenamtlichen „Dorfmacher“ sorgten seither u.a. für Arbeitsplätze, die Wiedereröffnung ihrer Schule und einen Bürgerbus, der den öffentlichen Nahverkehr ergänzt. Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, begründet die Jury-Entscheidung wie folgt: “‚Wir-in-Witzin‘ ist ein richtiges Mutmacher-Projekt für ländliche Regionen in Deutschland. Die Dorfgemeinschaft hat Antworten auf fast alle Herausforderungen gefunden, vor die der demografische Wandel viele Kommunen in Deutschland aktuell stellt. Das Projekt zeigt auf beeindruckende Weise, was eine aktive Nachbarschaft mit Kreativität und einer Portion Mut alles möglich machen kann.“ Daneben kann sich das Projekt „Lebensmittel retten Magdeburg“ über den Deutschen Nachbarschaftspreis 2017 freuen. Über den Verein Spielwagen e.V. und gemeinnützige Partner in der Stadt werden übrig gebliebene Lebensmittel aus Supermärkten und Restaurants an Bedürftige verteilt und bei gemeinsamen Kochabenden verspeist. Oliver Brügge, Vorstand der Montag Stiftung Urbane Räume, macht die Wichtigkeit des Projekts deutlich: “Lebensmittelretten ist ein ganz globales Thema. Allein in Deutschland landen jedes Jahr 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von circa 25 Milliarden Euro im Müll. Das Projekt ‚Lebensmittel retten Magdeburg‘ hat das FoodSharing Konzept übernommen, auf die lokalen Gegebenheiten angepasst und weiterentwickelt. Durch die direkte Verwendung der Lebensmittel durch ehrenamtliche Partner, wird die Unterstützung bedürftiger Nachbarn sichergestellt und Begegnung im Viertel gefördert.” Alle Bundessieger werden auf der Webseite ausführlich vorgestellt.

Die Landessieger

Auf der Preisverleihung wurde zudem das Engagement aller weiteren Landessieger geehrt, die jeweils ein Preisgeld von 2.000 Euro erhalten:

  • Baden-Württemberg: „Dorfladen Langenbeutingen“
  • Bayern: „Ein Teller Heimat“ im Münchener Westend
  • Berlin: „Baumscheibenfest“ aus dem Kunger-Kiez/ Treptow-Köpenick
  • Brandenburg: „Stadtteilnetzwerk e.V.“ für Potsdam-West: auf dem Foto  (Teilnehmer bei unserer Werkstatt in München) Stadtteilnetzwerk Potsdam - Foto: Miriam Pflüger
  • Bremen: „Ab geht die Lucie!“ (Teilnehmer bei unserer Werkstatt in Bremen)
  • Hamburg: „KULTURISTENHOCH2“
  • Hessen: „Stadtteilwohnzimmer“ aus dem Frankfurter Unterliederbach
  • Niedersachsen: „GÖ schafft’s“ aus dem Göttinger Stadtteil Leineberg
  • Rheinland-Pfalz: „Stadtteiltreff Gonsenheim“
  • Saarland: „Kulturschlüssel Saar“
  • Sachsen: „ANNALINDE“ Gemeinschaftsgarten in Leipzig (Teilnehmer bei unserer regionalen Werkstatt in Leipzig)
  • Schleswig-Holstein: „Bücherpiraten“ aus Lübeck
  • Thüringen: Tandemprogramm „NAHbarn“ in Jena

Alle Landessieger werden auf der Webseite ausführlich vorgestellt.

Feierliche Auszeichnung in der ufaFabrik Berlin

Die Preisverleihung fand am 13.09. auf dem Gelände der ufaFabrik statt, die seit 1979 als europaweit einzigartiges Lebens- und Arbeitsprojekt Menschen, Vereine, Initiativen und Betriebe für ein offenes, tolerantes und vielfältiges Leben zusammenbringt. Wir haben dieses Projekt in unserer Sammlung Immovielien beschrieben. In dem Theatersaal, auf dem sonst Stücke für die Nachbarschaft aufgeführt werden, wurden die Preisträger feierlich vor großem Publikum geehrt. Moderatorin Loretta Stern führte gekonnt durch das Programm und kam mit Dr. Thomas de Maizière, Bundesminister des Innern und Schirmherr des Deutschen Nachbarschaftspreises über Nachbarschaft und seine ganz eigenen Erfahrungen ins Gespräch. Für die musikalische Unterstützung konnte Fetsum Sebhat, Initiator des „Peace X Peace“-Festivals in Berlin, gewonnen werden. Den Abend ließen die Gäste gemeinsam im Sommergarten ausklingen.

Alle Preisträger und geladenen Gäste werden sich zudem am 14.09. im Forum „Engagierte Nachbarschaft“ über ihr Wissen austauschen und die Zukunft von nachbarschaftlichem Engagement diskutieren. Mehr Fotos der Preisverleihung findet Ihr hier.

Autor/en

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Antje Eickhoff Team Neue Nachbarschaft der Montag Stiftung Urbane Räume: Antje Eickhoff (Dipl.-Ing. Raumplanung) ist zuständig für die Themen der Neuen Nachbarschaft, Initialkapital und Quartiersentwicklung. Sie bringt Erfahrungen aus dem Quartiersmanagement und aus der Stadterneuerung in Köln, Bonn, Düsseldorf und Bergheim mit und ist als Fachkraft für barrierefreies Bauen ausgebildet.