Foto: Heiner Mokroß Pro Mirke e.V.

Foto: Heiner Mokroß Pro Mirke e.V.

Freibad Mirke Wuppertal: Sichtbar werden um Mittel einzuwerben

Das unglaubliche Engagement des Vereins pro Mirke e.V. und der Nachbarschaft, die mit kreativen Lösungen seit 5 Jahren jeden Sommer dafür sorgen, dass das Bad und Gelände voll neuem Leben erblühen, haben uns neugierig gemacht. Wie schafft der kleine Verein Mittel für Unterhaltung und Sanierung des Freibades zu akquirieren? Wie kommt man von den Mühen der Ebene auf den Berg einer Umbauförderung? Für den Infobrief Finanzen hat Heiner Mokroß, Vorstand des pro Mirke e.V., einen Gastbeitrag geschrieben:


Der Stadtrat beschloss 2011 wegen fehlender Finanzmittel die Übergabe des unwirtschaftlichen Freibades Mirke an die inzwischen als Verein organisierte Bürgerinitiative Pro Mirke, die 2009 den Förderverein und 2011 den Betreiberverein als e. V. gegründet hatte. Schnell war klar, dass der traditionsreiche Standort für Bewegung und Begegnung von Stadtmenschen von großer gesundheitsfördernder und sozio-kulturelle Bedeutung ist, jedoch keinerlei Öffentlichkeitsarbeit und Programmangebote für das 14.000 m² Areal warben. Also standen erst mal Profilsuche, Werteermittlung und Konzeptentwicklung für die Initiative auf dem Plan. Das bürgerliche Engagement wurde als rührig aufgefasst und manch einer spekulierte, wann wohl die Auflösung des Vereines zu vermelden wäre.

Aber: die Aktiven des Vereines pro Mirke machten das, was die Jahre zuvor an diesem Standort unterlassen worden war. Sie vernetzten sich mit Kulturschaffenden, erarbeiteten ein hochwertiges Programm (Sommerresidenz 2011, Freiraum 2013, Pool im Pool 2014), betrieben Öffentlichkeitsarbeit und entwickelten mit der Idee zur Umwandlung des Freibades zu einem Naturfreibad ein wirtschaftliches Sanierungskonzept inkl. Machbarkeitsstudie (2013).

Parallel mussten Finanzmittel von ca. 1.500 € monatlich aufgebracht werden, um Bad, Gebäudebestand und Gelände instand halten zu können. Zweckbetrieb und Wirtschaftsbetrieb des Vereines können die Ausgaben z. Zt. nicht decken. Nur durch das Einwerben von Spenden können wir unser Programm und unsere Planungen fortführen. Ideeller Rückhalt war und wird vor allem durch die Vereinsmitglieder und ihre Eigenleistungen gegeben. Benötigte finanzielle Zuschüsse erhielt Pro Mirke e.V.

  • durch die Bezirksvertretung des Stadtteiles Uellendahl-Katernberg
  • das Kulturbüro der Stadt und die Sparkasse sowie durch
  • Eigenbetriebe der Stadt Wuppertal.
  • Fördergelder u. a. durch die Montag Stiftung Urbane Räume und die LBS
  • Programmangebote, insbesondere durch Kulturschaffende der freien Szene führten zu weiteren Einnahmen und mehr noch zu öffentlicher Wahrnehmung.

Für den Umbau des Bades zum Naturfreibad werden sagenhafte 2 Mio. Euro benötigt, was ohne öffentliche Förderung nicht machbar ist. Aber aufgrund der prekären Haushaltslage der Stadt Wuppertal ist eine Antragstellung mit ggf. städtischen Eigenanteilen und Unterstützung durch die Verwaltung noch nicht realisierbar. Bisher ist die Stadtverwaltung voller Lob für unsere Initiative und kooperativ in Sachen Beratung, Unterstützung und Information, jedoch nicht selber handelnder Akteur. Das heisst, es müssten städtische Personal-Ressourcen freigegeben werden um Förderanträge und z. B.  rechtl. Konstellationen wie Verträge und Zuständigkeiten zu erarbeiten.

Während die Frage nach Konzept, Programm und Geldmittelbeschaffung stets auch im Fokus des öffentlichen Interesses liegt, ist die Organisation und Dokumentation der Geldausgaben im Verein von nicht minderer Bedeutung. Denn Geld richtig auszugeben und zu verbuchen ist im Vereinsleben eine der wichtigsten Aufgaben. Satzungskonformes Handeln und eine nachvollziehbare Betriebsführung sind Grundvoraussetzungen für Geschäftstätigkeiten und Gemeinnützigkeit. Mit der Größe des Vorhabens steigen auch die Komplexität der Buchführung und damit Anforderungen, die viel Zeit für die Ehrenamtler beanspruchen.

Um öffentliche Förderung, Spenden oder Sponsoring einzuwerben, muss die Initiative glaubwürdig und in der Stadtgesellschaft anerkannt sein. Ein Bürgerverein mit Zweck- und Wirtschaftsbetrieb kann davon ausgehen, dass erst nach einem Zeitraum von fünf Jahren die öffentliche Meinung und potenzielle Vertragspartner die Ernsthaftigkeit eines Vorhabens anerkennen. Also: Durchhalten! Verkürzen lässt sich diese Dauer oft durch Aufnahme von ehemaligen oder aktiven Leitungs- und Führungspersönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben oder aus der Wirtschaft, da hierdurch Professionalität im Vorstand und operativen Teil signalisiert wird. Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind eine Basis für die Aquise von Fördermitteln, daher haben es Intitiaven mit unternehmerischem Hintergrund mitunter leichter Fördermittel einzuwerben. Dass unser ehrenamtliches Bürgerengagement durchaus zu wirtschaftlichem Handeln fähig ist, konnten wir in den letzten Jahren beweisen.

Kompetenz und angemessene Umgangsformen sind in der Arbeit im Verein sowie in der Arbeit mit Externen eine weitere wesentliche Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit einer Initiative. Partizipation erweist sich als ein sensibler Vorgang, der hohe Anforderungen an alle Akteure stellt. Grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit wird nur da zustande kommen, wo die gegenseitige Wertschätzung und Voraussetzungen stimmen. Sachlichkeit und Emotionalität in angemessener Weise in die Projektarbeit einzubringen ist eine Kunst, die Fortschritte zügig ermöglichen kann. Ein gemeinsames Ziel, Verlässlichkeit und gute Stimmung sind die Basis für dauerhaftes ehrenamtliches Engagement.

Pro Mirke e.V. hat es geschafft, insbesondere durch seine z. T. jugendlichen Aktiven und Engagement von Menschen aus der Nachbarschaft, dem Quartier und aus den Stadtteilen seit nunmehr fünf Jahren das Freibad Mirke aufblühen zu lassen. Unsere Vision vom Bürger- und Bewegungspark Naturfreibad Mirke wird zum realen Ziel. Der Wert und der Wille von gemeinwohlorientierter Arbeit kann nicht dauerhaft auf den Schultern einzelner Bürger, sondern muss durch die Stadtgesellschaft mitgetragen werden. Dazu brauchen wir das verbindliche Bekenntnis der Kommune und seines Stadtrates zu unserem Bürgerengagement für das Freibad und dessen Umbau. Denn nur als Teamaufgabe ist eine erfolgreiche Fördermittelbeschaffung und Umbauaufgabe anzugehen.

Spannend ist sicherlich auch die Entwicklung der beiden benachbarten Projekte Utopiastadt und FreibadMirke/Pro Mirke, die jeweils von ganz unterschiedlichen Ausgangslagen aus wichtige Stadtteilarbeit machen.


Im November 2015 ist bereits ein Artikel zum Bürgerbad Freibad Mirke erschienen.

Autor/en

avatar

Heiner Mokross Vorstand pro Mirke e.V. Wuppertal, weitere Informationen www.pro-mirke.de

avatar

Antje Eickhoff Team Neue Nachbarschaft der Montag Stiftung Urbane Räume: Antje Eickhoff (Dipl.-Ing. Raumplanung) ist zuständig für die Themen der Neuen Nachbarschaft, Initialkapital und Quartiersentwicklung. Sie bringt Erfahrungen aus dem Quartiersmanagement und aus der Stadterneuerung in Köln, Bonn, Düsseldorf und Bergheim mit und ist als Fachkraft für barrierefreies Bauen ausgebildet.