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Gemeinwohl und Immobilienwirtschaftliche Investitionen – eine Studie

Mit dem Programm »Initialkapital für eine chancengerechte Stadtteilentwicklung« suchen wir nach Lösungen, wie wir immobilienwirtschaftliche Investitionen in schwierigen Stadtvierteln unmittelbar den Menschen vor Ort zugutekommen lassen können. Es geht uns um eine Kultur der Immobilienentwicklung, die ihre wirtschaftlichen Ziele systematisch mit einer Orientierung am Gemeinwohl verbindet: Investitionen in Steine und Investitionen in Menschen sollen Hand in Hand gehen – zum Wohle des Viertels und seiner Bewohnerschaft.

So geschieht es gerade im Krefelder Samtweberviertel. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Krefeld und mit Unterstützung aus der Wohnungsbau- und der Städtebauförderung des Landes Nordrhein-Westfalen investieren wir in den Umbau der ehemaligen Samtweberei an der Lewerentzstraße.

Der Autor dieser Studie, Wolfgang Kiehle, hat das Viertel ganz treffend als eines bezeichnet, das sich im »indifferenten Gleichgewicht« befindet. Noch ist nicht ausgemacht, ob dieses innerstädtische Quartier mit seinen vielen schönen Gebäuden sich künftig in Richtung Aufwertung und Gentrifizierung bewegen wird – schließlich ist Düsseldorf nicht weit entfernt – oder ob wachsende Armut, neue Zuwanderung und prekäre Wohnverhältnisse eher in eine Abwärtsspirale münden. Beides wären keine wünschenswerten Entwicklungen und deshalb stellt sich uns vor allem die Aufgabe, die Stabilität des Viertels zu fördern. Es soll sozial, ökonomisch und kulturell sein Gesicht behalten. Aber auch diese scheinbare Nicht-Veränderung braucht Investitionen in Bildung und

Gemeinwesen, in Häuser und Infrastrukturen – in Menschen und in Steine.

Vor diesem Hintergrund ist die vorliegende Studie entstanden. Wir haben sie in einem Moment beauftragt, in dem wir befürchteten, womöglich »zu erfolgreich« sein zu können – so erfolgreich, dass nicht nur der solide, ortsansässige Mittelstand, sondern auch die »Betongoldsucher« von außerhalb auf das Samtweberviertel aufmerksam werden. Wir fragten uns: »Was können wir tun, damit das Viertel nicht zum Gegenstand spekulativer Käufe und Verkäufe von Immobilien wird?« Unsere erste Idee war, schrittweise einzelne Immobilien im Quartier aufzukaufen und sie in einer neuen Form von Stadtteilentwicklungsgesellschaft oder ähnlich zu bündeln, deren vorrangiges Ziel die Sicherung von gutem und preisgünstigem Wohnraum im Viertel hätte sein sollen. Die Studie stellt verschiedene Modelle und Instrumente vor und wägt ihre Vor- und Nachteile gegeneinander ab.

Wir haben uns letztlich dagegen entschieden, diese quartiersweit tätige Gesellschaft zu gründen, nicht, weil es keine geeigneten Modelle gegeben hätte, sondern weil es unsere gegenwärtigen finanziellen und organisatorischen Kapazitäten vermutlich überfordert hätte. Stattdessen  konzentrieren wir uns zunächst auf die Kernanliegen in und mit der Alten Samtweberei. Dennoch sollen die Ergebnisse der Studie nicht verloren gehen, sondern ganz im Gegenteil all jenen zur Verfügung stehen, die wie wir auf der Suche nach geeigneten Modellen für eine gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung sind.

Die komplette Studie finden Sie hier: Kiehle Werkstattbericht_Einzelseiten_Web

Autor/en

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Jörn Luft (*1973) berät und unterstützt die Montag Stiftung Urbane Räume seit 2006 zu allen Fragen der Öffentlichkeitsarbeit. Als Mitarbeiter der Denkwerkstatt der Montag Stiftungen arbeitet er außerdem im Programmbereich „Urbane Dialoge“ an einer strategischen Themenkampagne zum Thema „Gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung“.


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