Foto: Helmut Reinelt

Foto: Helmut Reinelt

Mit Hallenkunst XXL zur Kulturfabrik Königswinter

Man kann es wohl als den berühmten Fuß bezeichnen, den man manchmal einfach in die Tür kriegen muss. In diesem Fall gleich in ein meterhohes Hallentor – das von Halle 3 auf dem Gelände der ehemaligen Lemmerz-Werke in Königswinter bei Bonn nämlich. Der Initiative „Kulturfabrik KW“ und dem gemeinnützigen Kunstverein antiform e.V. ist damit ein echtes Kunststück gelungen, nicht nur im übertragenen Sinne. Sie bespielt im August und September (bis 27.9., Adresse und Öffnunszeiten siehe unten) mit der Ausstellung „Hallenkunst XXL“ eine seit Jahren leerstehende, marode und regennasse Industriehalle. Vor allem aber setzt sie mit der genehmigten Zwischennutzung für die Kunst auch eine „kräftige Duftmarke“. So bezeichnet das Helmut Reinelt aus dem Organisationsteam.

Eine „Duftmarke“ setzen für die Zukunftsvision

An bislang sechs Wochenenden kamen mehr als 2500 Menschen aus der Nachbarschaft, um sich dort, wo bis 2011 LKW-Felgen produziert wurden, großformatige Street-Art von international angesagten, aber auch von einheimischen Künstlern anzuschauen. Und „Duftmarke“ deshalb, weil die Organisatoren es ganz und gar nicht bei der einmaligen Ausstellung belassen möchte. Ihre Zukunftsvision für einen Teilbereich des brachliegenden Industrie-Areals: Ein offenes, am Gemeinwohl orientiertes Kulturzentrum für Konzerte, Tanz, Theater und Kunst, mit Ateliers, einer Galerie und Projekträumen für Workshops; das alles langfristig mitfinanziert durch eine Gastronomie.

So ist die Ausstellung eigentlich nur Mittel zum Zweck – und ein Beispiel für gelungene Eigenwerbung mit großer Außenwirkung. Auch Zeitung und Fernsehen berichteten über die zwar temporäre, aber doch hochkreative, gesprayte Wandkunst in der alten Werkshalle. Die Lemmerz-Werke sind erstmals als Kulturort wahrgenommen worden und genau das haben die cleveren Projektmacher auch beabsichtigt.

Sich als potenzieller Partner „sichtbar“ machen

Noch steckt das Vorhaben allerdings in den Kinderschuhen. Immer wieder tauchen neue Pläne für das fast 20 000 Quadratmeter große, heute städtische Areal gleich unterhalb des Petersbergs im rheinischen Siebengebirge auf. Das verwundert kaum, ist es doch verkehrsgünstig an einem Bahnhof und einer Bundesstrasse gelegen und mit seinen vielen leeren Hallen- und Büroflächen auch für private Investoren interessant. Mal ist von einem großen Factory-Outlet-Center die Rede, mal sogar von Abriss und Wohnbebauung. Auch viele Fragen des Denkmalschutzes sind noch ungeklärt.

Durch die Medien-Berichte und das Interesse der Nachbarn aus Königswinter an der Ausstellung haben sich die Mitstreiter von „Kulturfabrik KW“ nun als potenzieller Partner sichtbar gemacht. Sie hoffen nun darauf, von der Stadt auf Augenhöhe in die weiteren Planungen mit einbezogen zu werden. „Es gibt hier sehr viele Leute, die etwas machen wollen. In diesem Gelände steckt einfach ein großes Potential“, so Fotograf und Nachbar Reinelt. Mit der Ausstellung haben er und seine Mitstreiter einfach mal ins Machen kommen wollen. „Wir hatten da schon den Eindruck, dass ansonsten einfach viel versandet. Deshalb war es uns wichtig, in die Öffentlichkeit zu gehen“, betont Reinelt. Soviel ist sicher: Aufmerksamkeit haben sie erreicht und das gleich in XXL.

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. September zu sehen, Freitag, 25.9. von 17 bis 20 Uhr, Samstag, 26.9. von 14-22 Uhr und Sonntag, 27.9. von 14-18 Uhr. Adresse: Lemmerzwerke, Halle 3, Am Kissel 10, 53639 Königswinter.

Hier ist noch ein Pressebericht über das Projekt zu lesen:

Autor/en

avatar

Susanne Küppers Susanne Küppers, geboren 1963 in Duisburg, freie TV-, Zeitungs- und Online-Journalistin, Ausbildung: Volontariat  Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, Studium Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Köln, lebt in Köln.