Grafik: HauptwegNebenwege/ Fred Fuchs, Köln

Grafik: HauptwegNebenwege/ Fred Fuchs, Köln

Initiative? Zeigen! – Verleihen Sie Ihrem Projekt Profil.

Lesen Sie bloß nicht weiter. Denn hier geht es um etwas, das die meisten von uns furchtbar finden. Um Werbung. Oder schlimmer noch. Es geht um Werbung für Werbung. Wir möchten uns mal für etwas stark machen, was die überwiegende Mehrheit als wenig moralisch, als zu konsumorientiert und als bestenfalls oberflächlich bewertet.

Wir geben Kritikern durchaus recht: Große Konzerne können Unsummen in Reklame investieren und wollen Menschen dadurch manipulieren, dass sie Ihre Produkte überhöht in Szene setzen. Doch bevor wir die Werbung per se verdammen, sollten wir mal kurz überlegen, was die Werbung auch für uns tut.

Werbung ist nämlich nicht nur »Bäh«. Neben der Kommerzialisierung dient Werbung auch einem wichtigen Ziel: der Information. Werbung ist ein natürliches Grundprinzip, das Ihnen hilft, das zu bekommen, was Sie brauchen: Aufmerksamkeit, Anteilnahme und im besten Fall ein verbindliches Versprechen für ihr Projekt. Genau hier beginnt Werbung auch für Sie sehr wichtig zu werden.

Tue Gutes. Und rede darüber.

Sie planen ein Projekt, von dem viele im Stadtteil profitieren sollen. Das ist eine sehr gute Sache. Sie nützt aber niemandem, wenn keiner davon erfährt. Das bedeutet: Sie müssen kommunizieren. Mit Menschen, von denen Sie unterschiedliche Dinge wollen und die selbst unterschiedliche Interessen vertreten. Wir nennen diese Gruppen »Öffentlichkeiten« oder »Zielgruppen«.

Genaugenommen wollen Sie diese Menschen nicht einfach nur informieren. Sie möchten Sie begeistern und involvieren – oder sogar überzeugen, etwas zum Gelingen des Ganzen beizutragen. Sie wollen, dass man von Ihrem Projekt Notiz nimmt und dass es in Erinnerung bleibt. Das erreicht man in der Regel nicht einfach mit ein paar getippten Din A4 Seiten. Es braucht Verdichtung – z.B. in einem Logo, einem Slogan, einer anziehenden Bildwelt und anschaulichen Texten, die die Projektidee und Ziele unterscheidbar klarmachen. Kurz: Sie brauchen einen anschaulichen werblichen Auftritt der Ihr Projekt als »Marke« glaubwürdig macht.

Überzeugend ist nicht nur das gute Projekt, sondern das gut kommunizierte Projekt.

Ihre Initiative ist einzigartig? Dann sollte die Kommunikation es auch sein. Niemand schenkt Ihnen Aufmerksamkeit, wenn Sie sie nicht wecken. Heute buhlen ständig Informationen um unser Interesse: Ob es das neue Haarshampoo ist, der Fitness-­Trend oder die digitale Beschallung über Email, Facebook und Co. Auch Projekte und Initiativen die mit Sinnangeboten etwas für die Gesellschaft oder andere Mitmenschen tun möchten, konkurrieren mit Ihnen und untereinander um die Wahrnehmung der verschiedenen Öffentlichkeiten. Häufig ist kaum noch unterscheidbar, was in diesem Meer der Gleichförmigkeit wirklich interessant ist und relevante, nutzbare Substanz hat. Wer wahrgenommen werden möchte, der muss sich unterscheiden. Der muss auffallen, durch ungewöhnliche Ideen und starke Kommunikation. Und er muss Strategien entwickeln, um sich immer wieder ins Gespräch zu bringen. Wenn Sie sich selber damit schwer tun, dann holen Sie sich Hilfe: Bei einer kleinen Agentur oder einem lokalen Designer. Das hat oft auch den Vorteil, dass es für jemanden von außen leichter ist, ihr Projekt anschaulich und leicht verständlich darzustellen. Und keine Bange: Ihre Werbung muss nicht perfekt sein, aber interessant und involvierend sollte sie sein.

Werbung ist der ungebetene Gast. Aber auch der kann unterhaltsam und interessant sein.

Selten widmen wir Reklame unaufgefordert unser Interesse, deshalb spricht man bei Werbung auch von einem ungebetenen Gast. Aber wenn Werbung gut ist, Inhalte transportiert, uns zum Lachen bringt oder überrascht, dann kann sie auch unterhalten und echte Sympathien wecken. Sie brauchen keine überhöhten TV-Werbewelten. Betrachten Sie lieber gemeinsam mit Ihren Mitstreitern und den Kommunikationsexperten genau Ihr Projekt, entwickeln Sie eine Story, die dahinter steckt und dann erzählen Sie diese – mit Humor, mit Emotion, mit Engagement. Und schaffen Sie so den Weg über das Inszenieren zum Involvieren und Partizipieren.

Zieren Sie sich nicht. Machen Sie selbstbewusst Eigenwerbung. Machen Sie auf sich aufmerksam. Zeigen Sie Ihr Profil und Ihre Eigenstärke. So zeigen Sie, dass es sich lohnt, sich für andere stark zu machen. Trauen Sie sich ruhig, laut zu sein.

Autor/en

avatar

Thomas Hebler ist 1968 geboren um nach Unterschieden zu suchen, sie zu finden, darzustellen und zu Unterschiedlichkeit zu ermutigen. Er ist Kommunikationsdesigner, Impuls- und Ideengeber, der zusammen mit seinem ihm unterschiedlichen Bruder die Agentur »HauptwegNebenwege« in Köln führt.