Foto: Martin Bangratz, Marcus Paul

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Für Sie gelesen: Von Marken und Menschen von Andreas Freitag

Von Marken und Menschen – jede Nachbarschafts-Initiative, jedes Vorhaben, Unternehmen oder Projekt ist eine Marke und hat mit Menschen zu tun. Deshalb hat Andreas Freitags Buch auch auf dieser Website eine Rezension verdient. Es stellt Fragen, versteht sich als Einladung zum Selberdenken und als Aufforderung, die „Dinge besser zu machen, als sie sind“.

Von „Marken und Menschen“ ist definitiv kein Fachbuch über Marketing, auch wenn es der Titel anders vermuten lässt. Vielmehr geht es um das eigene Leben, die Arbeit (sowohl im Beruf als auch im Ehrenamt, wobei der Autor diese Unterscheidung so wahrscheinlich gar nicht vornehmen würde) und Menschen.

Bei Marken denken Sie wahrscheinlich erst einmal an die Regale im Supermarkt, Geschäfte, in denen Sie regelmäßig einkaufen oder online bestellen, an die Autos in Ihrer Straße. Vielleicht noch an die Bäckerei um die Ecke, den Kindergarten Ihres Kindes, Ihren Sportverein oder die Partei, die Sie bei der letzten Wahl gewählt haben. Aber auch Sie selbst besitzen mindestens eine Marke, wahrscheinlich sogar mehrere.

Auch Nachbarschaftsinitiativen sind Marken

Betrachten Sie Ihre Nachbarschaftsinitiative einmal als Marke. Sie verfolgt einen (Marken-) Zweck, hat eine eigene Philosophie und ihre Mitglieder handeln dementsprechend. Diese Marke wurden von Ihnen erfunden, verändert und weiterentwickelt. Sie wird hoffentlich irgendwann auch von Dritten als Marke wahrgenommen, damit Sie die Haltung und das Tun Ihrer Initiative nicht immer wieder neu erklären werden müssen. Denn Initiativen, die das geschafft haben, können in der Regel leichter Geld einwerben und werden eher als kompetenter Partner ernstgenommen. Auf dem Weg dorthin kann „Von Marken und Menschen“ helfen.

Von Marken und Menschen

Was eingangs ein wenig wie Selbstfindungsliteratur daherkommt, lässt einen spätestens nach dem ersten Kapitel nicht mehr los – so ging es zumindest mir. Andreas Freitag erklärt sein umfassendes Verständnis des Begriffs „Marke“ und welch große Bedeutung Marken für unser Leben haben. Wir orientieren uns tagtäglich an ihnen. Er bleibt bei seinen Ausführungen nicht auf der Metaebene, sondern erklärt entlang einiger bekannter Beispiele, wie Marken funktionieren, warum sie als Mittel zur Führung von Menschen (im besten Sinne) dienen können und wie wichtig Teilhabe an ihnen ist. Die wohl überraschendste Erkenntnis für mich war, dass selbst hinter Nicht-Marken-Produkten eine Marke steht, auch wenn es zunächst anders scheint.

Damit Sie Ihre eigenen Marken und Ihre eigene Wahrnehmung anderer Marken schärfen können, hat Andreas Freitag einige Leitfragen zusammengestellt. Das passt ins Bild, denn gleich ob Sie Mitglied einer Nachbarschaftsinitiative sind oder Unternehmer: dieses Buch ist eine Einladung zum Hinterfragen. Es ist ein unbequemes Buch, wie der Autor im Klappentext schreibt.


Andreas Freitag: Von Marken und Menschen ist für 29,80 € erhältlich beim Verlag Hermann Schmidt, ISBN 978-3-87439-866-4.

Autor/en

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Marcus Paul Marcus Paul (* 1980) war von 2009-2016 Mitarbeiter der Montag Stiftung Urbane Räume. Nun ist er bei Startklar! Projektkommunikation und kümmert sich um Projekte im Landesprogramm "Initiative ergreifen". Seit 2015 baut er in Halle (Saale) ein neues Projekt im Programm "Initialkapital für eine chancengerechte Stadtteilentwicklung" auf. 2012-2015 verantwortete er die Entwicklung des Programms Neue Nachbarschaft. Marcus Paul studierte Architektur/Städtebau und Elektrotechnik an der RWTH Aachen. Nach seinem Studium arbeitete er in verschiedenen Architekturbüros in Aachen und Köln.