Foto: Magdalena Markowski

Foto: Magdalena Markowski

„SYNTOPIA“ – neuer Duisburger Ort des Miteinanders

„SYNTOPIA“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Ort des Miteinanders“. Was für ein passender Name für einen Stadtteil- und Projektladen, wie es ihn neuerdings auch in Duisburg-Hochfeld gibt: Idee, Sehnsucht und Ziel trägt er gleich mit im Namen. Weithin sichtbar leuchtet das Schild in großen, roten Buchstaben über dem Eingang an der Gerokstraße.

Entstanden ist dieser neue, für alle offene Raum in einem Quartier mitten im Ruhrgebiet, in dem nicht nur viel Leerstand zu beklagen ist, sondern sich auch viele Menschen unterschiedlichster Herkunft mehr Miteinander wünschen. Menschen wie die junge Kulturpädagogin Magdalena Markowski zum Beispiel: „Wir möchten, dass hier im Stadtteil mehr Kultur von unten entsteht und dass es von den Nachbarn selbst initiiert werden kann“, sagt die 30jährige vom SYNTOPIA-Team.

Lesungen, Filmabende und Hausaufgabenhilfe

Im August 2014 eröffnete der Duisburger Verein „Mustermensch“ zusammen mit der Kampagnengruppe „DU it yourself“ den Nachbarschafts-Treffpunkt in dem ehemaligen  Ladenlokal. Ausgestattet mit gespendeten Sofas, Sesseln, Teppichen, Tischen und Stühlen, mit vielen Bildern, Plakaten und Bücherregalen an den Wänden taucht der Besucher sofort in eine gemütliche Wohnzimmer-Café-Atmosphäre ein. Regelmäßig lädt das derzeit vor allem noch aus Studenten bestehende, rein ehrenamtliche Ladenteam zu Lesungen, Filmabenden, Vorträgen und Ausstellungen ein. Kinder aus dem Viertel können – unterstützt von Studenten – ihre Hausaufgaben erledigen. Aber auch defekte Fahrräder werden wieder flott gemacht und so manches Second-Hand-Schätzchen auf zwei großen Kleiderständern freut sich über einen neuen Besitzer. Sogar Obst und Gemüse können hier verschenkt werden, denn einige Vereinsaktive sammeln bei den Händlern des Hochfelder Wochenmarktes all das ein, was am Ende weggeworfen werden würde.

Vereinsziel: ein unabhängiges sozio-kulturelles Zentrum für Duisburg

Das große Vereinsziel von „Mustermensch“ – ein unabhängiges sozio-kulturelles Zentrum für Duisburg – ist damit zwar noch nicht erreicht. Aber mit dem „SYNTOPIA“ ist nun ein erster Schritt für ein unkommerzielles, soziales und kulturelles Angebot von unten gemacht und eine Zwischenlösung gefunden. „Wir hatten von Beginn an die Bude voll und könnten eigentlich einen viel größeren Raum bespielen“, erzählt Magdalena Markowski begeistert. Sie betont aber auch, dass alles ohne Fördergelder oder behördliche Unterstützung realisiert wurde. „SYNTOPIA ist, was wir alle draus machen – komm vorbei und bring Dich ein!“ – so lautet der Slogan.

Miete und Nebenkosten werden durch Spenden und Vereinsbeiträge gestemmt, aber auch andere Duisburger Initiativen, die den Raum nutzen, finanzieren mit. Gleich zu Beginn konnten über 1000 Euro durch eine Crowdfunding-Kampagne im Netz gesammelt werden, mit der Kaution und Küchenausstattung bezahlt wurden. Organisiert haben sich die rund 30 ehrenamtlichen Aktiven in verschiedenen Arbeitsgruppen, die sich um Finanzen und Steuern, Öffentlichkeitsarbeit, Website, Koordination der einzelnen Angebote und um das monatliche Programm kümmern. Alle zwei Monate tagt das Plenum aller AGs, Initiativen und Gruppen, die das „Syntopia“ nutzen, alle zwei Wochen kommt das kleinere Laden-Team zusammen. „Wir wollen den Stadtteil beleben und Freiräume für selbstbestimmte Kultur anbieten. Kultur soll es nicht nur in der Innenstadt geben mit teuren Prestigeprojekten, sondern über die gesamte Stadt verteilt und sozial orientiert,  also erschwinglich und selbstgestaltet,“ beschreibt  Markowski die Motivation der Initiaive. Und toll sei es doch auch, dass sich auf diesem Weg die Nachbarn einfach besser kennen lernen.

Autor/en

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Susanne Küppers Susanne Küppers, geboren 1963 in Duisburg, freie TV-, Zeitungs- und Online-Journalistin, Ausbildung: Volontariat  Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, Studium Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Köln, lebt in Köln.