Foto: Espen Eichhöfer/ © Montag Stiftung Urbane RäumeFoto: Espen Eichhöfer/ © Montag Stiftung Urbane Räume

Nachbarschaftsinitiativen als Potentialentfaltungsgemeinschaften verstehen

In einer Nachbarschaftsinitiative arbeiten im Idealfall viele Menschen miteinander, handeln ihre Ziele aus und verständigen sich auf ein gemeinsames Bild. Damit das gut funktioniert, muss jeder bereit sein, Vertrauen zu schenken und Kontrolle ein Stücke weit abzugeben – auch der Vereinsvorstand. Alle müssen genügend Raum bekommen, sich selbst, ihre Fähigkeiten und Potentiale zu entfalten. Organisationsentwicklung heißt nämlich immer auch Persönlichkeitsentwicklung und nur wer mitgestalten kann, arbeitet auch gerne mit.

Wesentlicher Grundgedanke der folgenden Ausführungen ist der Glaube an das Prinzip Ownership (deutsch: „Eigentümerschaft“). Ownership liegt dann vor, wenn sich die Zielgruppe eines Projektes mit dem sie betreffenden Vorhaben identifiziert. Das tut sie i.d.R. dann, wenn sie von Anfang an in die Projektentwicklung eingebunden wurde, das Vorhaben maßgeblich mitgestalten und auch Verantwortung in der Umsetzung übernehmen kann.

Gelingensbedingungen für Projekte

Ausgehend vom Ideal einer maximalen „Ownership“ lassen sich zwei andere wichtige Bedingungen für die erfolgreiche Entwicklung von Projekten ableiten:

  • Keine/Flache Hierarchien: Potentialentfaltung, Mitmachkultur, Begeisterung und damit Motivation von möglichst vielen „Anpacker/Innen“ werden dort eingeschränkt, wo einzelne in den Mittelpunkt gerückt werden oder zu viel machen. Wo immer möglich, sollte daher auf basisdemokratische Prozesse gesetzt und klassische Vorstands-/ Leitungsstrukturen gemieden werden.
  • Gute (intensive, wertschätzende) Kommunikation/Information: Die Beteiligung von möglichst vielen Anpacker/Innen setzt voraus, dass sich eben diese möglichst vielen Anpacker/Innen jederzeit gut informiert und mit Wertschätzung eingebunden fühlen. Dazu haben sich Mail-Verteiler, kleine Rundbriefe/Zeitungen, Poster, Wurfsendungen und insbesondere immer wieder persönliche Treffen bewährt.

Sieben Schritte zur Potentialentfaltungsgemeinschaft

Darauf aufbauend werden nun die für eine erfolgreiche Projektentwicklung als ratsam empfundenen Schritte beschrieben:

  1. Moderationsgruppe bilden: Wenn Projekte ohne eingrenzende Hierarchie entwickelt werden sollen, kann dies über eine Art „Moderationsgruppe“ gelingen. Wie bei einer „Küchentischrunde“ (so heißt diese Gruppe bei der Ideenwerkstatt Dorfzukunft) in einer Familie kommen dabei all jene Mitmacher/Innen auf Augenhöhe zusammen, die sich über Themen von übergeordneter bzw. strategischer Bedeutung (z.B. Prozessgestaltung, Kommunikation, Projektkultur, Projektcontrolling etc.) austauschen möchten. Diese Runden sollten jederzeit offen für neue Anpacker/Innen sein. Ebenso hat es sich bewährt, Agenda und Zeitrahmen partizipativ entwickeln zu lassen, die Runden an unterschiedlichen Orten stattfinden und von unterschiedlichen Personen moderieren zu lassen.
  2. Bewusstsein bilden: Für eine möglichst breite Beteiligung und Identifikation mit den Zielen und Maßnahmen eines Projektes ist es i.d.R. erforderlich, die unterschiedlichen Bewusstseinsniveaus der Beteiligten anzugleichen (auch wenn das nie hundertprozentig klappen wird). Dazu könnten Filmabende, Lesungen, Infoveranstaltungen, Podiumsdiskussionen eingesetzt werden (so z.B. bei der Ideenwerkstatt Dorfzukunft zum Thema „Demografischer Wandel im ländlichen Raum“ geschehen).
  3. Umfeldgruppen („Stakeholder“) analysieren und mit dem Vorhaben vernetzen: Ein gutes Vorhaben bindet Wissen, Interessen und Ressourcen seiner Umfeldgruppen ein. Dadurch werden neue Projekte nicht skeptisch als Bedrohung oder Konkurrenz betrachtet, sondern verstärkt und unterstützt. Sinnvoller Ausgangspunkt dieses Schrittes kann eine sog. Stakeholder-Landkarte sein.
  4. Partizipative Methoden einsetzen: Wie oben bereits geschildert, trägt das dauerhafte „Mitnehmen“ möglichst vieler Menschen i.d.R. zum Projektgelingen bei. Zu diesem Zweck haben sich bestimmte partizipative Methoden bewährt, mit denen nicht nur gemeinsame Visionen und Träume entwickelt, sondern auch unkonventionelle Lösungen für Probleme in der Umsetzung generiert werden können. Empfehlenswert sind bspw. Kartenabfragen (bieten anonymen Raum, geben auch den Leisen eine Stimme, lassen Clustern von Ideen zu), Kleingruppenarbeit (lassen das Verteilen von Arbeit auf viele Schultern zu) und World Cafés (hervorragend zum gemeinsamen „Rumspinnen“ und „Massenideensammeln“ in großer Runde geeignet).
  5. (Klein)Gruppen bilden und arbeiten lassen: Ownership und Teammotivation erfordern Vertrauen in die Projektbeteiligten. Nur wer vielen Schultern eine echte Chance zum Mitgestalten gibt, wird die Arbeitslast nicht ausschließlich mit den eigenen Schultern stemmen müssen. Bewährt hat sich dafür das dezentrale Entwickeln von Subthemen und –prozessen in „autonomen Kleingruppen“. Hierzu könnte eine methodische Aus- und Weiterbildung (Präsentation, Moderation, Rhetorik) möglichst vieler Beteiligter sinnvoll sein (was gleichzeitig wieder Zeit und Raum für ein Treffen in ansteckender „Anpack-Atmosphäre“ bietet).
  6. Sichtbare Zeichen setzen bzw. Erfolge feiern: Viele der in Projekten zu bohrenden Bretter sind dick. Häufig stehen die Projektbeteiligten vor einem langen und mühsamen Weg. Damit Motivation und Glauben an das große Ganze auf diesem Weg nicht einknicken, braucht es „Nahrung für Geist und Herz“. Dazu empfiehlt es sich, immer wieder (auch vermeintlich kleine) Meilensteine und Erfolge gemeinsam zu feiern. Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und gibt Raum für einen entspannten Austausch.
  7. Überblick behalten: Wer ständig im operativen Detail versunken ist, läuft Gefahr, vom Weg abzukommen. Eine erfolgreiche Projektumsetzung braucht nicht nur den Überblick über die Sachthemen aller Gruppen und Beteiligten (z.B. über das Instrument der „Wirkungskette“); mindestens ebenso wichtig ist es, regelmäßig über die gemeinsame Kultur zu reflektieren und Konflikte und Probleme offen anzusprechen.

Credits/Einflüsse/Quellen: Projektmanagement in der Organisationsberatung, Ausbildung in der Entwicklungszusammenarbeit (VEZ Bad Honnef), Methodik-Schulung „Weiterbildung in der Hochschullehre“ der TU Braunschweig, Rob Hobkins (Energiewende-Handbuch) und persönliche Erfahrungen in der mehrfach preisgekrönten „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“

Autor/en

Foto: Henning Austmann

Henning Austmann lehrt und forscht zu den Themen Nachhaltigkeit und Internationales Management an der Hochschule Hannover (FH). Außerdem ist er einer der Mitbegründer und Moderatoren der Ideenwerkstatt Dorfzukunft in Flegessen, Hasperde, Klein-Süntel.


Eine Antwort auf Nachbarschaftsinitiativen als Potentialentfaltungsgemeinschaften verstehen

  1. Berlin, 13.10.2015
    Ich habe Herrn Hüter vor knapp 1/4 Jahr im Fernsehen gehört. Dann habe ich mir das Buch „Gerald Hüther, etwas mehr Hirn bitte“ gekauft. Ich bin jetzt 77 Jahre alt, erst 1908 mit meiner Frau nach Berlin umgezogen. Wir haben drei Söhne, einer lebt in Stuttgart, der andere hier in Berlin. und der meiner Frau in Greifswald.
    Ich war erst in Kiel Gesamtschullehrer. Dann habe ich 2004 ein Schlaganfall bekommen.War erst ganz gelämt und habe mich heute fast geheilt. Jetzt treibe ich Sport, lerne Sprachen und feue mich ,dass ich so leben darf.
    Mein Lebenslauf ist bunt gemischt. Mein Geburtsort,. in Polen gelegen 1938. !940 sind meine Eltern mit allen Deutschen, es soll eine Mill. Deutsche damals in Ostwest Polen gegeben haben. In Posen haben meine Eltern ein Bauerhof bewirtschaftet. Da hatte ich meine ersten Kindheitserinnerung. Ich begann da meine Grundschule im Sommer 1944. Dann kan die Flucht, für 3- oder 4 Monate .Wir sind in Freisack mit einem Zug angekommen. Da war die Krankheit meines Vater so weit fortgeschritten, dass er seine MS nicht mehr verstecken konnte.1953, Mir habe noch ein paar Monate bis ich 15 Jahre ware, da war die Krankheit sowet fortgeschriiten, dass er nur noch im Rollstuhl gefahren werden konnte und ich ihn vom Bahnhof „Paulienau“ nach Westberlin bringen konnte. Meine Mutter kam den nächsten Tag spät in West-Berlin . Als wir 8 Wochen hier in Westberlin zugebracht haben, wurde wir nach Hamburg gebracht Das nächstemal werde ich fortfahre,wenn es sie interessiert Jetzt suche ich eine Punkt , wo ich Berlin anfangen kann.
    Mit freundlichem Gruß ihr
    alwin Schmalz

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