Gedankensortierer

Gemeinsam stark – der Gedankensortierer

In jeder Nachbarschaftsinitiative stellt sich früher oder später die Frage, wie man gemeinsam stark bleiben oder sogar stärker werden kann. Seine fünf wichtigsten Punkte hat Henning Austmann in diesem Gedankensortierer zusammengestellt.

  1. Vertrauen in eine breite Basis: Eine dauerhaft starke Initiative braucht viele starke Schultern. Die finden sich i.d.R. dort, wo „Ownership“ und „Partizipation“ groß geschrieben werden – z.B. durch Methoden wie „World Café“ oder das Vertrauen in Kleingruppenarbeit. Eine breite Basis entsteht zudem immer dort, wo es Einzelne verstehen, ihre Position und Leistung nicht zu wichtig nehmen. Wo das große Ziel einer Initiative immer wieder über persönliche Eitelkeit gestellt wird, finden Gemeinschaften dauerhaft Raum zur Entfaltung ihres vielfältigen Wissens und ihrer häufig gegenseitig befruchtenden Fertigkeiten.
  2. Positiv-wertschätzender Dialog: Gemeinsam stark bleiben heißt vor allem auch gemeinsam im dauerhaften Gespräch miteinander bleiben. Eine offener, transparenter, regelmäßiger Informationsfluss (z.B. durch eine kleine monatliche Projektzeitung, Mitgliederinfobriefe, Aushänge, Newsletter, etc.) hat sich dabei ebenso bewährt wie das Installieren und konsequente Pflegen einer positiv-konstruktiven und jederzeit wertschätzenden Dialogkultur.
  3. Sichtbare (auch kleine) Erfolge: Nahezu jede Initiative wird sich wiederkehrend mit der Skepsis externer Bedenkenträger konfrontiert sehen (nach längeren Durststrecken auch aus den eigenen Reihen). Umso wichtiger ist es, regelmäßig Zeichen zu setzen und dabei auch Meilensteine auf dem Weg zum großen Ziel gebührend zu feiern – z.B. eine gut verlaufene Hauptversammlung, ein schöner gemeinsamer Filmabend, eine erfolgreich angewandte partizipative Methode oder die Fertigstellung eines Finanzierungskonzeptes.
  4. Regelmäßige Vogelperspektive: Ein dauerhaft erfolgreiches Operieren im Detail erfordert Zeit und Raum für regelmäßiges Reflektieren und „Spinnen dürfen“ in Macher/Innen-Runde: Wie sehen unsere gemeinsamen Träume und Visionen aus? Wie sehen die dafür notwendigen nächsten Meilensteine aus? Sind alle relevanten Akteure integriert? Welches kulturelle Miteinander ist uns wichtig? Arbeiten wir mit unseren Aktivitäten an den erwünschten Zielen? Erzielen wir die dabei die erhofften Wirkungen? Bewährt haben sich dafür möglichst hierarchiefreie, gut protokollierte Treffen „im Geiste familiärer Küchentischrunden“.
  5. Bauchschmerzen klären: Keine Initiative bleibt frei von Konflikten. Wo aber Spannungen von vornherein als natürlicher Bestandteil dynamischer Gruppenentwicklungsprozesse verstanden werden, laufen Initiativen weniger Gefahr, aus kurzfristigen Reibungen langfristig nachtragende Krisen entstehen zu lassen. Dazu müssen Probleme, unterschiedliche Meinungen und Unzufriedenheiten offen adressiert werden dürfen – sachlich, möglichst persönlich (und definitiv ohne große e-mail-Verteiler), idealerweise in großer gegenseitiger Wertschätzung und jederzeit in maximaler Demut vor der allesübertreffenden Bedeutung des Oberziels der Initiative.

Autor/en

Foto: Henning Austmann

Henning Austmann lehrt und forscht zu den Themen Nachhaltigkeit und Internationales Management an der Hochschule Hannover (FH). Außerdem ist er einer der Mitbegründer und Moderatoren der Ideenwerkstatt Dorfzukunft in Flegessen, Hasperde, Klein-Süntel.

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Antje Eickhoff Team Neue Nachbarschaft der Montag Stiftung Urbane Räume: Antje Eickhoff (Dipl.-Ing. Raumplanung) ist zuständig für die Themen der Neuen Nachbarschaft, Initialkapital und Quartiersentwicklung. Sie bringt Erfahrungen aus dem Quartiersmanagement und aus der Stadterneuerung in Köln, Bonn, Düsseldorf und Bergheim mit und ist als Fachkraft für barrierefreies Bauen ausgebildet.


Eine Antwort auf Gemeinsam stark – der Gedankensortierer

  1. Wir sind seit fünf Jahren eine erfolgreiche Nachbarschaftsinitiative und das sind auch bei uns die Erfolgsfaktoren. Unbewusst ist die beschriebene Kultur bei uns entstanden. Ganz entscheidet – und darin unterscheidet sich eine solche Initiative von vielen Unternehmen – ist das gemeinsame Ziel. Daher ist die Formulierung einer Vision ganz wichtig. Sehr schön in Worte gefasst. Ich werde den Artikel an meine Mitstreiter aus dem Vorstand weiterleiten. Vielen Dank.

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