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Hidden Agenda

»Wir müssen einen Verein gründen, damit uns die Stadt Zuschüsse geben kann«, sagt der Wirt zu den Anwesenden. Mag er auch in der Sache Recht haben, könnte hinter seiner das »Wir« betonenden Aussage auch noch eine nicht offen ausgesprochene, also eine versteckte Ich-Absicht stehen: seine Gaststätte zum Treffpunkt der Vereinssitzungen zu machen, um auf diese Weise mehr zahlende Gäste zu gewinnen. »Hidden Agenda« wird eine solche versteckte Botschaft genannt. Verborgene, oft taktische Manipulationen sind schwer zu erkennen.

Selbst in einer kleinen Initiative, einem Verein oder einer Genossenschaft geht es tagtäglich auch darum, verschiedene Interessen und Bedürfnisse verschieden geprägter Menschen unter einen Hut zu bekommen, auszugleichen und manchmal sogar durchzusetzen. Und wenn es bestenfalls gelingt, sogenannte Win-Win-Situationen zum beider- oder allseitigen Vorteil herzustellen, ist das einer der schönsten und nachhaltigsten Formen zum Erhalt von Initiativkraft. Wichtig ist jedoch, dass offen und klar, transparent und respektvoll gegenüber dem anderen kommuniziert wurde. Gemeinsam »Politik machen« im besten Sinne sozusagen. Politik ist die Kunst vom Ausgleich unterschiedlicher Interessen. Im Initiativen-Alltag unterscheidet sie sich strukturell darin übrigens nicht von der »großen Politik«.

Wer jedoch versteckte Botschaften strategisch und manipulativ einsetzt, erliegt vielleicht dem Reiz, Entscheidungen schneller durchzusetzen, fühlt sich als cleverer Politiker und Macher und erreicht schneller einen Erfolg. Er geht aber gleichzeitig das Risiko eines (zeitversetzen) Vertrauensverlustes ein, wenn die eigentlichen Interessen auffliegen. Eine Initiative kann dadurch sehr gelähmt werden. Prozesse verlangsamen sich, statt sich zu beschleunigen. Ein Pyrrhussieg der Hidden Agenda. Denn Niemand möchte gerne manipuliert werden.

Versteckte Botschaften erkennen und vermeiden

Seien Sie auch achtsam, wenn Sie mit ihren Mitstreitern kommunizieren. Am besten ist es, wenn Sie sich selbst immer wieder bewusst werden, was Sie persönlich wirklich wollen, warum und wie Sie etwas wollen und welche Menge an Energie Sie dafür einsetzen wollen. Und das dann auch klar und offen und aus ihrer Perspektive äußern. Das ist nicht immer einfach, auf lange Sicht aber noch immer am erfolgreichsten.

Dieser Text soll nicht dazu beitragen, Misstrauen in Ihrer Initiative aufzubauen oder zu verstetigen. Er soll Sie am Beispiel der Hidden Agenda nur befähigen, Fallstricke der Kommunikation bewusst zu erkennen. Als kleiner »Hidden-Agenda-Prophylaxe-Tipp« hilft es, sich in einem Gespräch bewusst zu sein, wo man sich selbst im Gespräch mit dem Gegenüber befindet. Auf welcher Ebene läuft gerade die Unterhaltung? Fragen wie »Hab ich alles richtig gehört?« »Bin ich eigentlich mit dem Gehörten einverstanden?« »Was machen wir denn jetzt.« können mit dem folgenden Merkspruch selbst überprüft und während eines Gespräches gut sortiert werden:

  • Gedacht ist noch nicht gesagt. (Ebene 1)
  • Gesagt ist noch nicht gehört. (Ebene 2)
  • Gehört ist noch nicht verstanden. (Ebene 3)
  • Verstanden ist noch nicht einverstanden (Ebene 4)
  • Einverstanden ist noch nicht angewendet. (Ebene 5)
  • Angewendet ist noch nicht beibehalten (Ebene 6)

Deshalb ermutige ich Sie: Fragen Sie nach. Erbitten Sie sich notfalls den Raum für Ihre berechtigte Nachfrage. Hinterfragen Sie lieber einmal mehr nach, als einmal zu wenig. Vor allem dann, wenn Sie eine versteckte Botschaft oder eine verheimlichte, manipulierende Strategie hinter einer Aussage vermuten. Und falls es möglich ist, wiederholen Sie mit Ihren eigenen Worten freundlich das, was der Botschaften-Sender gesagt hat. Rückversichern Sie sich, ob Sie das richtig wiedergegeben haben, was Sie verstanden haben. Oft kann man an der Reaktion des Senders selbst bemerken, ob er sich mit seiner versteckten Botschaft ertappt fühlt, sich windet oder sogar aggressiv reagiert und sie beispielsweise abqualifiziert. Stellt er seine Aussage richtig, entkräftet er glaubhaft Ihren (oft auch intuitiv gefühlten) Verdacht oder erkennen Sie selbst, dass »nichts dran war«, schenken Sie ihm ihr abgesichertes Vertrauen.

Autor/en

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Thomas Hebler ist 1968 geboren um nach Unterschieden zu suchen, sie zu finden, darzustellen und zu Unterschiedlichkeit zu ermutigen. Er ist Kommunikationsdesigner, Impuls- und Ideengeber, der zusammen mit seinem ihm unterschiedlichen Bruder die Agentur »HauptwegNebenwege« in Köln führt.


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