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Neustart im „Raum2“ – eine Nummer kleiner!

Mit einem „Tag der offenen Tür“ feiert der junge Nachbarschafts-Verein „Kalk für alle e.V.“ am Sonntag 2. November 2014 die Eröffnung seines neuen Vereinsdomizils in Köln-Kalk: Der „RAUM – ganz schön kalk“ geht als „Raum2“ in die Verlängerung.

Manchmal kommt es wirklich dicke. Und doch: Krisen führen mitunter auf neue, gangbarere Wege. Schweißen sogar noch enger zusammen. Diese Bilanz jedenfalls ziehen die Mitstreiter der Kölner Nachbarschafts-Initiative „Kalk für alle“ – nach einem turbulenten Jahr 2014, das für sämtliche Beteiligte leidvoll und kräftezehrend war und zur Aufgabe eines liebgewonnenen, offenen Quartiers-Treffpunktes führte.

Seit Oktober aber ist wieder von „fantastischen Neuigkeiten“ die Rede. „Eine Nummer kleiner“ kann es in einem neuen Raum weiter gehen. „Wir sind total froh, dass wir so schnell ein Zeichen setzen konnten, dass uns die Sache ernst ist“, freut sich die 27jährige Kunst-Managerin Sandra Jasper von „Kalk für alle“. „Aber was Ausdauer, Kämpfergeist und Optimismus angeht, merken wir gerade auch, wie wir als Gruppe und Einzelne auf die Probe gestellt werden.“

Trotzdem oder gerade deshalb: Am Sonntag, 2. November ab 12 Uhr soll im neuen „Raum2 – ganz schön kalk“ in der Engelsstraße 23 in Köln-Kalk erstmal gefeiert werden. Zur Einweihung eingeladen sind natürlich alle Nachbarn!

Rückblick:

Die Pechsträhne begann im Sommer mit einem Einbruch in den für alle Nachbarn offenen, vom Verein betriebenen Treffpunkt und Veranstaltungsort

„Raum ganz schön kalk“ – einem 200 Quadratmeter großen Ladenlokal an der Kalk-Mülheimer-Straße; zentral gelegen im multikulturellen, teils jedoch recht maroden Kölner Stadtteil Kalk. Lesungen, Konzerte, Flohmärkte, Ausstellungen, Yoga- und Malkurse und vieles mehr organisierten die engagierten Kalker Vereinsmitglieder hier in diesem von Armut gekennzeichneten Quartier. Mit Erfolg: Auch über den Stadtteil hinaus war diese rein ehrenamtlich betriebene Immovielie inzwischen bekannt und beliebt; vor allem bei jungen Kölnern und Studenten.

Doch dann wurde nach einem Konzert eingebrochen und 1000 Euro verschwanden aus der Kasse. Die Enttäuschung war groß. „Ein Schlag ins Gesicht“, viele empfanden das so wie Sandra Jasper. Kurz darauf flatterte eine unerwartet hohe Nebenkosten-Nachzahlung ins Haus und – als wäre dies nicht schon genug Belastungsprobe für die junge, 60 Mitglieder starke Initiative – standen auch noch behördlich angeordnete, kostspielige Umbauten an; etwa für eine barrierefreie Toilette. Jeden Monat mussten ohnehin schon eine recht hohe Miete plus Nebenkosten erwirtschaftet werden. All das war nicht mehr zu stemmen, führte schließlich zur Kündigung und zum traurigen Auszug im August.

Ausblick:

„Eigentlich sind wir auch erleichtert, dass wir das Riesenschiff nun abgegeben haben. Denn es war doch immer ein Bibbern, ob wir das überhaupt hinkriegen. Es war wohl einfach eine Nummer zu groß“, gibt Sandra Jasper heute unumwunden zu. Aufgeben aber wollen die rund 15 aktiven Macher von „Kalk für alle“ auf keinen Fall. Sofort begeben sie sich im September auf die Suche nach neuen Räumlichkeiten. Und werden fündig.

Der neue, viel kleinere Raum in der Engelsstraße – ebenfalls mit großem Schaufenster und kleinem Hof hintendran – kann nun erstmal zu einem großen Teil über die Mitgliedsbeiträge finanziert werden. Der Rest soll über eine Nutzung mit anderen als „Co-working-space“ aufgebracht werden. Die ersten Interessenten haben sich schon gemeldet. Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen kann es hier allerdings nicht geben. „Dieser Raum ist mehr als Vereinsraum und Zentrale gedacht“, so Jasper. Von hier aus aber soll weiter ein Veranstaltungsprogramm für das Quartier und seine Bewohner organisiert werden; allerdings in deutlich kleinerem Umfang. Dafür möchte man dann zum Beispiel im Bürgerzentrum oder in Kneipen und Cafés Räume anmieten. Das ist der Plan. „Wir sind guter Dinge“, sagt Jasper, verschweigt aber auch die Unsicherheiten innerhalb der Initiative nicht: „Unser Bedarf an finanzieller Unterstützung und Beratung in rechtlichen Fragen ist momentan sehr groß.“ Trotzdem habe sich innerhalb der Gruppe gezeigt, dass „wir ein gutes Team sind. Und eigentlich haben wir noch enger zusammen gefunden.“

Autor/en

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Susanne Küppers Susanne Küppers, geboren 1963 in Duisburg, freie TV-, Zeitungs- und Online-Journalistin, Ausbildung: Volontariat  Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, Studium Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Köln, lebt in Köln.


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