Foto: Espen Eichhöfer/ © Montag Stiftung Urbane Räume Foto: Espen Eichhöfer/ © Montag Stiftung Urbane Räume

Absage für die Rathaussterne

am 30. September 2014 | in Immovielien, Initiativen im Profil | von | mit Keine Kommentare

„Es ist vorbei. Wir sind sehr enttäuscht.“ Mit diesen knappen Worten kommentiert  Norman Ludwig das Ende des Projekts „Rathausstern Lichtenberg“. Zwei Jahre lang hatten die „Rathaussterne“ darauf hingearbeitet, die alte Polizeiwache im Berliner Kiez Lichtenberg  zu kaufen und in ein selbstverwaltetes Wohn- und Nachbarschaftsprojekt inklusive Kita umzuwandeln. Doch nun kam die Absage vom Liegenschaftsfonds, der den Gebäudekomplex für das Land Berlin vermarktet hat. Die Rathaussterne landeten mit ihrem Konzept lediglich auf dem dritten Platz, den Zuschlag bekam die städtische Wohnungsbaugesellschaft „Howoge“.

Für die Rathaussterne, eine Gruppe junger Leute zwischen Mitte 20 und Mitte 30, geht damit eine Zeit großer Hoffnungen, aber auch intensiver Arbeit zu Ende. In einem äußerst anspruchsvollen Bieterverfahren hatten die Rathaussterne mit ihrer Bewerbung die letzte Runde erreicht – und das, obwohl sie mit professionellen Investoren konkurrieren mussten. „Darauf sind wir nach wie vor sehr stolz“, sagt Norman Ludwig, „auch wenn im Moment die Frustration überwiegt.“

Der Liegenschaftsfonds (Lifo) begründete seine Absage unter anderem mit der von der Initiative vorgesehenen Miethöhe und -fläche: „Berlin braucht dringend Wohnungen. Deshalb war hier möglichst viel Wohnfläche mit wenig Miete gefordert.“ Die Rathaussterne hätten die erforderliche Verdichtung nicht hinbekommen. Außerdem sei der Kaufpreis niedriger und die Miete höher als bei dem Sieger-Konzept. Der Zuschlag sei aber nicht an den Höchstbietenden erfolgt. „Im Nachhinein muss man sagen, dass das Projekt zu groß gewesen ist für den Verein“, hieß es vonseiten des Lifo.

„Nicht die Größe des Projekts war problematisch, sondern die harten Bedingungen…“

Die Rathaussterne üben ihrerseits heftige Kritik an dem Verfahren, das für sie wenig transparent war und viele Fragen offen läßt. „Wir wissen bisher noch nicht einmal, wer genau über die Vergabe des Geländes entschieden hat. Und vor allem, welche Kriterien wie bewertet wurden“, kommentierte Caroline Rosenthal vom Vereinsvorstand die Absage. „Wie viel über dem Mindestpreis liegt denn nun der reale Kaufpreis für das Gelände der alten Polizeiwache?“ Auch die Tatsache, dass die Mietpreisbindung lediglich für fünf Jahre gelten soll, halten die Rathaussterne für wenig sinnvoll. „Mit einem derart kurzsichtigen Ansatz lässt sich keine nachhaltige Liegenschafts- und Wohnungspolitik machen.“

Kritik an dem Verfahren kommt auch von der GLS-Bank, die das Projekt der Rathaussterne finanzieren wollte. „Die Gruppe ist sehr engagiert und kompetent und wir hätten ihr das auf jeden Fall zugetraut“, sagt Dorothee Röger, bei der GLS-Bank zuständig für die Finanzierung von Wohnprojekten, und widerspricht damit dem Liegenschaftsfonds. „Nicht die Größe des Projekts war problematisch, sondern die harten Bedingungen des Lifo.“ So habe der Liegenschaftsfonds zahlreiche Vertragsstrafen vorgesehen, etwa für den Fall, dass Abgabefristen nicht eingehalten werden oder der Neubau nicht realisiert wird. „Allein zur Absicherung der Vertragsstrafen wurde eine zusätzliche Bankbürgschaft von einer Million Euro verlangt. Das ist sehr sehr ungewöhnlich“, sagt Dorothee Röger.

Der Liegenschaftsfonds habe zudem eine verbindliche Finanzierungszusage nicht nur für die Sanierung der alten Wache, sondern auch für den Neubau verlangt. Das aber hätte, so Röger, vorausgesetzt, dass die Initiative bereits vor dem Kaufzuschlag die komplette Bauplanung einschließlich der Architektenleistung vorgelegt. „So etwas kostet sehr viel Geld, das übersteigt das Limit kleiner Gruppen.“ Eine städtische Wohnungsbaugesellschaft könne da ganz anders agieren. „Die haben mit ihrer Bank schon tausende Wohnungen finanziert und können deshalb leichter eine Zusage bekommen.“

Die Rathaussterne machen weiter

Die Rathaussterne wollen trotz des Tiefschlags weitermachen. „Als Gruppe sind wir eher noch enger zusammengewachsen“, sagt Norman Ludiwg. Die Initiative fordert jetzt eine kritische Aufarbeitung des Verfahrens, das sie für wenig zukunftsweisend hält. „Es gibt weiterhin Bedarf bei den BerlinerInnen, Liegenschaften für die Gemeinschaftsnutzung zu erwerben. Die aktuelle Vergabepraxis muss viel mehr Chancen für nicht rendite-orientierte Entwicklung bieten.“ Die politische Arbeit ist für die Rathaussterne also nicht am Ende.


Weitere Artikel über die Initiative RathausStern Lichtenberg:

 

Pin It

Autor

avatar

Feliz Busch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »