Foto: Sandra Scholten

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Kult in Köln – Bürgergemeinschaft Rathenauplatz e.V.

Umgeben von kultigen kleinen Cafés, Lokalen und schmucken Altbauten liegt der Rathenauplatz in der Kölner Neustadt-Süd. Der 40 Jahre alte Verein „Bürgergemeinschaft Rathenauplatz e.V. – Köln“ betritt seit einigen Jahren Neuland und hat sich an ein heißes Eisen herangewagt: Ein eigener Biergarten auf öffentlichem Boden.

In direkter Nachbarschaft zum Rathenauplatz betreibt der Verein ein Bürgerzentrum. Er bietet dort Raum für verschiedene Beratungsangebote und ist der „Veedelstreff“ in der Nachbarschaft. Es geht um die Lebensqualität in der Nachbarschaft, mit dem Platz als Herzstück.

Ein eigener Biergarten auf öffentlichem Boden…

Als im Jahr 1999 der Vertrag zwischen der Stadt Köln und einem privaten Gastronom über den Verkauf von Getränken auf dem Rathenauplatz auslief, reifte in der BGR e.V. der Gedanke, die Gastronomie auf dem Platz zu übernehmen. Die Vereinsmitglieder wollten Gewinne erwirtschaften und damit die Arbeit des Vereins finanzieren. Außerdem fand der Verkauf bisher nur in einer kleinen Holzbude ohne Toilette statt – da sollte mehr Qualität her.

… Wie funktioniert das?

Ein Bürgerverein, der auf städtischem Grund (dem Rathenauplatz) eine Gastronomie betreibt, Gebäude abreißt und neue errichtet… Wie funktioniert das? Eine Frage, die viele ähnliche Projekte umtreiben dürfte. Im Grunde ist das ganz einfach: Die wirtschaftliche Nutzung der öffentlichen Fläche dient dem gemeinnützigen Zweck der BGR e.V. Deshalb sichert die Stadt Köln dem Verein die Fläche für das Gebäude mit einem Erbpachtvertrag über 15 Jahre zu. Wenn alles gut läuft, kann der Vertrag um weitere 15 Jahre verlängert werden. Für die Außenfläche, wurde eine Sondernutzungsvereinbarung mit dem Ordnungsamt getroffen, die auch ein Nutzungsentgelt vorsieht.

Die Gastronomie selbst wird nicht von der BGR e.V. betrieben, sondern von einem Kooperationspartner, der Stadtgarten Restaurant Betriebs GmbH. Um eine kommerzielle Ausnutzung zu verhindern, wurde ein straffer Kooperationsvertrag vereinbart. Dieser hält fest, dass der Koopertionspartner ein anteiliges Entgelt für die Bewirtung erhält, welches nach Abzug aller Verbindlichkeiten der BGR e.V. berechnet wird. Die Gewinne fließen daher größtenteils an die Bürgergemeinschaft, die damit die Kredite bedient.

Und so steht heute eine preisgekrönte Architektur an Stelle der alten Holzbude. An lauen Sommerabenden versammeln sich die Nachbarn, gucken gemeinsam Fußball und auf dem Spielplatz nebenan spielen die Kinder. Bis dauerhaft Gewinne erwirtschaftet werden, wird allerdings noch etwas Wasser den Rhein hinunterfließen. Erst müssen die Kredite zurückgezahlt werden. Dafür hoffen die Mitglieder des BGR e.V. auf gutes Wetter – damit die Gastronomie schön brummt.

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Jennifer van de Loo Bis 2014 Teil des Teams Neue Nachbarschaft der Montag Stiftung Urbane Räume


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