Foto: Ledo Wohnen / Sandy Craus

Foto: Ledo Wohnen / Sandy Craus

Ledo-Mehrgenerationen-Wohnhaus wird 5

Das Ledo Wohnprojekt feiert Geburtstag. Nach erfolgreichen „5 Jahren Wohnen“ zielen die Ledos nun auf die Öffnung in den Stadtteil und die Nachbarschaft. Ein Projekt, das immer wieder neue Wege geht, beweglich bleibt und bewusst Inspirationen von Außen sucht.

Vor gut 5 Jahren hat das Ledo – Mehrgenerationenwohnhaus seinen Platz gefunden. Am 31. Mai 2014 feierten die Mitglieder Geburtstag. Ein Moment zum Innehalten und Zurückblicken auf das Geschaffte – davon gibt es reichlich. Das Ledo – Wohnprojekt wird gut angenommen und ist lebendig. „Das mit dem Wohnen funktioniert.“ sagt Annelie Appelmann, eine der Bewohnerinnen des Projekts. Es liegt mitten in einem Wohngebiet zwischen den Kölner Stadtteilen Niehl und Riehl. Genau genommen liegt es in ersterem, aber die Zentren der beiden Veedel, so nennen die Kölner ihre Quartiere, sind von der Anlage gleich weit entfernt. Und so befindet sich das Projekt mitten in einem innerstädtischen Wohngebiet. „Es gibt hier keine Szene; wir sind sozusagen eine szenefreie Zone“ beschreibt Annelie Appelmann, die von Anfang an dabei war, die Nachbarschaft.

Dass das nicht gleichbedeutend ist mit Langeweile und Einöde, beweisen die Ledos mit ihren Festen und Projekten. Fast alle ihrer Aktivitäten zielen auch auf die Nachbarschaft. „Wir wollen hier einfach mitmachen, dann werden wir auch gesehen“, sagt Monika Nolte. Und das kommt an: Ein offener Bücherschrank, der darüber hinaus auch als Schwarzes Brett und Infobörse genutzt wird, funktioniert bereits – trotz warnender Gegenstimmen im Vorfeld.

Das nächste Vorhaben ist auch schon geplant. Mit einem benachbarten Kindergarten FamZ+KiTa NEV e.V.  Hamborner Str. wurde ein Gartenclub gegründet, um an der nahegelegenen Hochbahntrasse ein Hochbeet anzulegen. Dahinter steckt die Idee, Kontakte zu Kindern und Jugendlichen aus der Nachbarschaft „aufblühen“ zu lassen. Eine gemeinsame „grünen Sprache“ soll helfen, das Vorhaben über kulturelle, ökonomische und soziale Unterschiede hinweg gelingen zu lassen. Unterstützung findet das Projekt bei der GAG Immobilien AG (die Eigentümerin des Ledo Hauses), die das Grundstück von der Stadt Köln übernehmen möchte und sich um die Verkehrssicherung kümmern will.

Et kütt, wie et kütt

Generell folgen die Ledos diesem „Kölschen Grundgesetz“. Das Projekt strahlt Ruhe aus – im ganz positiven Sinn. Nichts übers Knie brechen ist die Devise der Projektmacher. Sie nehmen sich die Zeit, die die Dinge eben benötigen; forcieren nichts, das nicht getragen wird, und Ideen, die nicht auf fruchtbaren Boden fallen, dürfen auch wieder verschwinden. Genau diese grundentspannte Einstellung ermöglicht es den Ledos, sich über jede Anregungen von Außen zu freuen. „Dadurch bleibt das Projekt lebendig“ sagt Monika Nolte. „Und wir tauschen uns einfach gerne aus. Sonst verkalkt uns der Kopf.“

Besonders bemerkenswert sind die Erfahrungen, die das Ledo Wohnprojekt in den letzten Jahren mit dem Bundesfreiwilligendienst gemacht hat. Seit 2011 bieten sie Bürgerinnen und Bürgern, die sich in diesem Programm engagieren, sechs bis 18 Monate Zeit, in denen sie sich mit ihren jeweiligen Kompetenzen in das Wohnprojekt einbringen können.

Neue Unterstützung suchen

Genauso bemerkenswert fasst Annelie Appelmann die finanzielle Situation des Wohnprojekts zusammen: „Wir haben kein Geld. Und wir haben keine finanziellen Probleme“ erklärt sie gut gelaunt. Wie bei jedem Vorhaben suchen sie auch für den Hochgarten gemeinsam mit ihren Projektpartnern nach Finanzierungsquellen. Wir sind sicher, dass ihnen dies auch diesmal gelingen wird. Denn, so ein weiteres Kölsches Grundgesetz, et hätt noch immer jot jejange.

Wir ziehen unseren Hut vor so viel Einsatz, Lebendigkeit und Offenheit und wünschen dem Projekt weiterhin gutes Gelingen.

Autor/en

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Kristin Gehm Seit der ersten Stunde der Montag Stiftung Urbane Räume 2006 ist Kristin Gehm mit an Bord. Erst zum Thema Pädagogische Architektur tätig, ist sie seit 2014 ein Teil des Teams Neue Nachbarschaft. Sie hat in Nürnberg Architektur und in Bamberg Denkmalpflege studiert, bevor sie 2004 in Dortmund im Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung ihr Berufsleben begonnen hat.