Grafik: HauptwegNebenwege

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Auf dem Weg zur Professionalisierung

Fast alle bürgerschaftlichen Projekte entstehen als Initiative und entwickeln sich weiter. Am Anfang stehen die ersten Ideen und man kommt schnell ins Machen. Mit wachsendem Erfolg der Initiative stellt sich früher oder später die Frage, ob und wie man sich professionalisieren möchte. Kerstin Asher und Joachim Boll unterstützen und Qualifizieren beruflich Projekten in Stadterneuerung und Stadtentwicklung. Mit diesem Gedankensortierer zeigen sie die wichtigsten Stationen dieses Weges auf.

1. Erste Idee

Fast alle bürgerschaftlichen Projekte entstehen als Initiative und entwickeln sich weiter. Am Anfang steht meist eine Idee und eine Gruppe hoch engagierter Menschen. Es wird viel gemeinsam („Plenum“) diskutiert.

2. Erste Erfolge

Hat die Initiative dann erste Erfolge, stellt sich bald die Frage nach einer „Organisationsform“, potenzielle „Verhandlungspartner“ fragen nach einem verantwortlichen Gegenüber. Dies führt im Regelfall zur Gründung eines Vereins, der offensten rechtlichen Organisationsform: Die Haftung ist relativ gering, die Mitsprache in der Mitgliederversammlung ist gegeben, ein handelnder Vorstand kann gut die Basis des Vereins wiederspiegeln.

3. Beginn der Professionalisierung

Viele Projekte entwickeln sich in diesem rechtlich-organisatorischen Rahmen weiter, übernehmen Immobilienverantwortung, organisieren „wirtschaftliche Geschäftsbetriebe“, übernehmen in ideellen und in Zweckbetrieben Unternehmensverantwortungen. In einem solchen Prozess macht es Sinn, sich über den weiteren Weg von einer Initiative zu einer notwendigerweise professionell verantwortlichen Projektorganisation zu verständigen und nicht in einen solchen Weg „hineinzuschlittern“. Es gibt noch die Engagierten, die auch weiterhin als offene Initiative arbeiten wollen, es gibt diejenigen, die Verantwortung übernehmen wollen in einer formalisierten Vereinsstruktur – und es schälen sich dann u.U. auch „gemeinnützige Unternehmenspersönlichkeiten“ heraus, die sich professioneller organisieren wollen; das wird oftmals festgemacht an Überlegungen zur Gründung von Betriebsgesellschaften wie einer gemeinnützigen GmbH (z.B. als 100%ige Tochter des Vereins, zur Eingrenzung von Haftung, aber auch zur Verschlankung von Arbeitsorganisation).

4. Sollbruchstelle

Spätestens an dieser Stelle einer Projektentwicklung beginnt es oft zwischen diesen Ebenen zu knirschen und es gilt sich die Zeit zu nehmen, um sich offen untereinander über eine Verstetigung aller drei Organisationsebenen und im Idealfall auf ihr Zusammenwirken zu verständigen. In der Projektrealität gibt es leider fast nie den ideal vorauszuschauenden Zeitpunkt das zu tun, weil die Projekte meist schon mit einem Bein in der dritten Stufe stehen. Dennoch sollte man, wenn diese Erkenntnis reift, gemeinsam innehalten und bilanzieren, um dann zu entscheiden, wie es weiter gehen soll; hier kann eine „Moderation von Außen“ hilfreich sein. Ansonsten können gute Projekte auch genau an dieser „Sollbruchstelle“ scheitern.

5. Verkrustung vermeiden

Auch Vereine und Initiativen können mit der Zeit „institutionell verkrusten“, unbeweglich werden, ja sogar sich gegen Neues sperren. Gerade wenn sie größer und besser werden wollen, wenn sie sich mehr zutrauen, gilt es, sich organisatorisch weiterzuentwickeln, auch hierbei immer wieder Neues zu entdecken.

Autor/en

Foto: Joachim Boll

Joachim Boll , Jahrgang 1952, ist Architekt und arbeitet seit 1978 in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen im Ruhrgebiet und in NRW. Mit seinem 2001 gegründeten Büro startklar.projekt.kommunikation managed er das NRW-Landesprogramm „Initiative ergreifen“ im Auftrag des MBWSV. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählen die Unterstützung und Qualifizierung von Projekten in Stadterneuerung und Stadtentwicklung.

Foto: Kerstin Asher

Kerstin Asher ist Geografin mit den Schwerpunkten Stadtentwicklung und Wirtschaft. Sie war sehr lange im entwicklungspolitischen Bereich tätig. Seit 2007 arbeitet sie bei startklar.projekt.kommunikation, wo sie das Programm Initiative ergreifen betreut.