• Foto: Espen Eichhöfer/ © Montag Stiftung Urbane Räume
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Gemeinsam in Gemeinschaft investieren

am 13. Juli 2014 | in Immovielien, Initiativen im Profil | von | mit 1 Kommentar

Sind wir verrückt? Wir haben kein Geld und wollen Immobilienbesitzer werden. Vielleicht, denn wir, die Initiative Rathausstern Lichtenberg, wollen in Berlin eine ehemalige Polizeiwache kaufen und entwickeln. Unser Gemeinschaftsprojekt soll von vielen Menschen gemeinsam finanziert werden. Nämlich mit einem ganzen Schwarm kleiner Privatdarlehen.

Wer sich die Bilder in der Fotoschleife ansieht, wird erkennen, dass wir nicht wie typische Immobilienentwickler aussehen. Wir sehen uns auch eigentlich eher als Aktivisten für Gemeinschaftsimmobilien und wir kämpfen für eine demokratische und transparente Liegenschaftspolitik in Berlin und bundesweit.

Aus unserem Utopie-Spielplatz ist mittlerweile ein erschreckend vernünftig und nachhaltig konzipiertes Investitionsprojekt geworden.

Lange waren Projekte wie unseres Nischenerscheinungen: Mit Hilfe von Familie und Freunden wurden Immobilien gekauft, die – weil für klassische Investoren uninteressant – billig waren. Aber in vielen Städten kann man sämtliche innenstadtnahen Lagen für solche Vorhaben komplett vergessen. So auch in Berlin Lichtenberg: Billig kaufen war hier keine Option. Die Stadt muss mit dem Grundstück andere Investitionen ausgleichen. Deshalb haben wir uns jetzt, gezwungenermaßen, innerhalb von 2 Jahren doch zu kleinen Immobilienexperten entwickelt. Wir haben Finanzpläne in hunderten Versionen erstellt, Sanierungs- und Baukosten für tausende Quadratmeter kalkuliert, Förderprogramme studiert und mit Banken verhandelt. Aus unserem Utopie-Spielplatz ist mittlerweile ein erschreckend vernünftig und nachhaltig konzipiertes Investitionsprojekt geworden, Kostenpunkt ca. 5,3 Mio. Euro, Bauzeit 3 Jahre.

Die Sache mit der Finanzierung

Aus unserer Sicht ist eine ‚echte‘ Gemeinschaftsimmobilie eine, in der Teilhabe auch ohne Geldeinlage möglich ist. Das ist zum Einen eine Frage sozialer Gerechtigkeit. Fast wichtiger ist uns aber, dass einzelne Geldgeber nicht den Charakter des Projekts bestimmen sollen. Wir wollen, dass unser Gemeinschaftsprojekt von vielen Menschen gemeinsam finanziert wird, nämlich mit einem ganzen Schwarm kleiner Privatdarlehen. Wir träumen sogar davon, das gaaaaaanz viele Menschen in Deutschland einen Teil ihrer Rücklagen in Immobilien für Gemeinschaftsprojekte investieren – ihnen sozusagen Kredit geben.

Konkret bedeutet das, Summen zwischen 1000 € und 10.000 € für mindestens 1 Jahr bei uns in Berlin-Lichtenberg oder in ähnlichen Projekten anzulegen. Die Zinsen sind in einem gewissen Rahmen frei verhandelbar. Man kann also mehr verdienen als auf seinem Spar- oder Tagesgeldkonto. Gleichzeitig ermöglicht man ein tolles Projekt, eines das anders nicht zustande kommen würde.

Die Immobilienprojekte des Mietshäuser Syndikats, dessen Teil wir werden wollen, warten mit einer ganzen Reihe von zusätzlichen Merkmalen auf: Die Projekte wirtschaften nicht gewinnorientiert, d.h. die Mieten bleiben dauerhaft stabil, Überschüsse werden solidarisch bundesweit im Syndikat umgelegt und ein Verkaufsverbot verhindert langfristig Spekulation mit dem Objekt.

Wir wollen eine Immovielie – eine Immobilie für Viele und von Vielen

In Berlin Lichtenberg haben wir noch 3 Wochen Zeit, bis wir unserer Bank Kreditzusagen in Höhe von 700.000 € nachweisen müssen. Bei einer Durchschnittsanlage von 2000 € pro Person sind das 350 Geldgeber*innen. Von denen fehlt noch ein Großteil, weil es am Ende solcher Finanzierungsprozesse immer einen Wettlauf gegen die Zeit gibt. Ich sage es so einfach wie es ist: wenn wir nicht genug Unterstützer*innen finden, werden wir das Projekt nicht umsetzten können – und eigentlich wollen wir es dann auch nicht machen, denn wir wollen eine Immovielie für Viele und von Vielen.


Die Initiative Rathausstern hat sich im Frühjahr/Sommer 2012 mit Hinblick auf die leerstehende Liegenschaft Rathausstr. 12 gegründet. Sie hat im Herbst 2012 die Versteigerung an den Höchstbietenden abgewendet und beteiligt sich aktiv in der stadtpolitischen Diskussion um eine bürgernahe Liegenschaftspolitik. Als Verein Rathausstern Lichenberg e.V. konnte sich die Initiative in der letzten Runde eines speziellen Vergabeverfahrens um die Liegenschaft positionieren. Die anderen Bieter und deren Konzepte sind nicht öffentlich bekannt. Die Initiative geht davon aus, die einzige nicht professionelle Bewerberin zu sein – alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Die Kosten für das Verfahren wurden bisher über Spenden und Fördergelder bestritten. Sollte eine genügend hohe Summe Eigenmittel eingeworben werden, wird die bereits gegründete Rathausstern Projekt GmbH vermutlich Ende Juli ein endgültiges Angebot abgeben können. Mehr Informationen zu dem Konzept und den Direktkrediten:

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Autor

Foto: Caroline Rosenthal

Caroline Rosenthal ist zu etwa gleichen Teilen Aktivistin, Künstlerin und auf der Suche nach fairer Lohnarbeit. Sie ist seit ca. zwei Jahren aktiv im Verein Rathausstern Lichtenberg e.V., wo sie Aufgaben im Vereinsvorstand sowie in der Presse u. Öffentlichkeitsarbeit übernimmt.

Eine Antwort auf Gemeinsam in Gemeinschaft investieren

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