Foto: HauptwegNebenwege/EE

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„Viel mehr als ein Sahnehäubchen“ – Von „Profi-Bürgern“ und ihren Ideen für die Nachbarschaft

„Sie leisten einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl und wir möchten, dass ihr Engagement wahrgenommen wird und Sie die Anerkennung bekommen, die Sie verdienen“. Mit diesen Worten begrüßte Marcus Paul von der Montag Stiftung Urbane Räume am Freitag die Teilnehmer der ersten Werkstatt „Neue Nachbarschaften“ in Hannover.

Im Foyer des Werkhofes in Hannover-Nordstadt treffen an diesem Wochenende 26 Mitstreiter von 14 Nachbarschafts-Initiativen aus ganz Deutschland zusammen. Gemeinsam mit fünf Experten wollen sie ihre ganz besonderen Vorhaben und Ideen weiter entwickeln, die sie für ihre Nachbarschaften in Städten und Dörfern haben.

„Nachbarschaftliches Engagement und Immobilien“ so lautet der Schwerpunkt der Werkstatt. Und um Immobilien, die für die Gemeinschaft entweder neu gebaut, umgenutzt oder saniert werden sollen, geht es bei allen Initiativen, die teilnehmen. Manche Projekte stecken noch in den Kinderschuhen, andere Initiativen unterhalten bereits gemeinwohl-orientierte Immobilien und müssen gerade Durstsrecken bewältigen. Gegenseitig will man sich nun bei der Werkstatt unterstützen.

Es ist eine bunte, heterogene Mischung von Menschen zwischen 25 und 70 Jahren, die hier zusammen treffen. Sie sind so vielfältig wie ihre Projekte: Die Umnutzung einer ehemaligen Feuerwache in Berlin, der Neubau eines gemeinschaftlich von der Nachbarschaft geplanten Dorfladens in Niedersachen, die Weiterführung des sanierungsbedürftigen, alternativen Gängeviertels in Hamburg, ein Alten- und Pflegeheim, dass Räume für die Nachbarschaft zur Verfügung stellen möchte oder ein Urban Gardening-Projekt in Solingen sind nur einige der vielen Ideen und Anliegen.

Schon bei der munteren Eröffnungsrunde im Foyer des Werkhofes, bei der sich die Initiativen in Form eines Speed-Datings in kleinen Gruppen gegenseitig vorstellten, wurde klar, dass vor allem die Frage der Finanzierung vielen Teilnehmern auf den Nägeln brennt. Wie komme ich an Fördergelder? Oder können wir vielleicht selber Geld einnehmen?

Aber auch Fragen wie: „Ist es sinnvoll, einen Verein zu gründen?“ oder „Wie kommuniziere ich mein Projekt am günstigsten mit den Behörden?“ stehen hoch im Kurs. All diese Fragen sollen ab dem Nachmittag in verschiedenen Workshops mit den Ratgebern beantwortet werden.

Zwei weitere Beispiel von vielen, die „viel mehr sind als ein Sahnehäubchen“, wie Marcus Paul von der Montag Stiftung betonte:

Marc von der Initiative Werk-Stadt-Laden in Dresden, der eine für alle Nachbarn offene Reparatur-Werkstatt in einem ehemals leerstehenden Ladenlokal betreibt, beschreibt sich und seine Mitstreiter so und erhält dafür Applaus: „Wir wollen Profi-Bürger werden.“ Und er fährt fort:  „Uns will aber trotzdem keiner Geld geben“ und eine Kündigung für Teile der Räume, in dem der Werk-Stadt-Laden untergebracht ist, habe man auch bekommen. Jetzt sei der Beratungsbedarf hoch.

Um mehr Know-How in Sachen Finanzierung geht es auch Andrea von der Wuppertaler Initiative Freibad Mirke. „Wir haben schon etwa 70 000 Euro mit ehrenamtlichen Geschäften eingenommen, insgesamt benötigt werden aber zur Wiederinbetriebnahme des ehemaligen Freibades rund 2 Millionen Euro. Wie ist das zu realisieren?“ Kein einfaches Unterfangen, aber für die engagierten Wuppertaler ist das Ziel klar: Sie wollen, dass wieder Wasser eingelassen wird in dem beliebten und jetzt schon lange im Trockendock liegenden Freibad mitten in ihrem Viertel.

Am Nachmittag geht es nun in Medias Res. Schließlich gibt es aus den Initiativen viele Fragen, die beantwortet werden wollen.

Autor/en

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Susanne Küppers Susanne Küppers, geboren 1963 in Duisburg, freie TV-, Zeitungs- und Online-Journalistin, Ausbildung: Volontariat  Westdeutsche Zeitung Düsseldorf, Studium Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Köln, lebt in Köln.