Foto: HauptwegNebenwege/EE

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Im Interview: Das Familien-Sport-Café – Generationen in Bewegung

Sportverein plus: Die SG Bornheim 1945 e.V. Grün-Weiss engagiert sich weit über ihr Kerngeschäft – den Sport – hinaus für ein friedliches und gemeinschaftliches Zusammenleben der Nachbarn aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Neben dem klassischen Vereinsgeschäft betreibt sie unter anderem das Familien-Sport-Café, in einem Kinder- und Familien-Zentrum, eine Ferienbetreuung und einen Pädagogischen Mittagstisch sowie einen Jugendtreff und initiiert eine Vielzahl weiterer Projekte.

Hier können auch Menschen aktiv werden, die nicht Mitglied im Verein sind. Als Treffpunkt für junge Familien aus dem Stadtteil ermöglicht das Familien-Sport-Café informelle Begegnungen und Kontakte unter den Menschen und ist darüber hinaus stark mit weiteren, jugend- und nachbarschaftsorientierten Projekten des Trägervereins vernetzt.

Wie ist die Idee entstanden; wer hat den Stein ins Rollen gebracht?

[quote]Das Vereinsheim wurde zu eng. In der einen Ecke spielten die Männer Skat, in der anderen wickelten ein paar Frauen ihre Kleinkinder. Das passte so nicht zusammen und führte zu Konflikten. Vier engagierte Frauen machten sich dann auf, um das Familien-Sport-Café in dem neuen Kinder- und Familienzentrum zu gründen.[/quote]

Was war die Motivation der Frauen?

[quote]Die Frauen sind alle Mütter und haben zwei bis vier Kinder. Sie wollten miteinander und untereinander Kontakte knüpfen und sich über Alltagsfragen austauschen, insbesondere über die Erziehung der Kinder. Außerdem wollten Sie sowohl ihre älteren Kinder, die mit ihren Mannschaften auf dem Fußballplatz trainierten, als auch ihre jüngeren Kinder gleichermaßen im Blick haben und ihnen eine gute Betreuung bieten.[/quote]

War von Anfang an gedacht, das Familien-Sport-Café auch Richtung Stadtteil zu öffnen?

[quote]Die Öffnung in den Stadtteil und somit die Öffnung hin zu Familien, die nicht Mitglied im Verein sind, war immer das Ziel des Kinder- und Familienzentrums. Das Familien-Sport-Café war – als Teil dessen – zu Beginn als Angebot für die Familien gedacht, die Mitglieder im Verein waren. Relativ schnell kamen dann interessierte Familien aus dem Umfeld des Sportplatzes und dem Stadtteil dazu. Auch Bekannte und Freundinnen der Frauen fanden sich zu dem Familien-Sport-Café ein.[/quote]

Gab es Stolpersteine auf dem Weg zu dieser Öffnung?

[quote]Die Öffnung in den Stadtteil hört sich selbstverständlich an, war es aber nicht. Innerhalb eines Sportvereins bestehen sehr unterschiedliche Interessen bei den Mitgliedern. Eine Gruppe hat verständlicherweise gefragt, was das soll; man sei doch ein Fußballverein. Es gab ja bereits zusätzliche Projekte zu dem Fußball, wie den pädagogischen Mittagstisch, die Ferienbetreuung und den Mitternachtsfußball. Die Hindernisse und Barrieren innerhalb des Vereins konnten wir aber erfolgreich abbauen.
Besonders hilfreich war dabei die seit Mitte der 1990er Jahre stattfindende Zukunftswerkstatt. Einmal im Jahr treffen wir uns außerhalb des Sportgeländes, außerhalb Frankfurts. Da kommen Verantwortliche des Vorstandes und viele Akteure der verschiedenen Abteilungen zusammen. In diesem Rahme wurden die Fragen diskutiert, was einen familienfreundlichen Sportverein ausmacht, wie wir mit Integrationsfragen umgehen, wie mit armutsgefährdeten Familien und welchen Beitrag das Kinder- und Familienzentrum und das Familien-Sport-Café dabei leisten können.[/quote]

Von wem oder wie wünschen Sie sich Unterstützung?

[quote]Wir wollen uns noch stärker öffnen. Aber unsere Projekte werden alle durch hohes ehrenamtliches Engagement ermöglicht. Um dieses Engagement auch finanziell ein Stück weit zu honorieren und die Projekte weiter zu unterstützen, fehlt uns eine kontinuierliche Finanzierung. Hier wären wir für jede Unterstützung dankbar. Außerdem können wir in der Schulung und Qualifizierung unserer Ehrenamtler, besonders in der Familienbildung, Unterstützung gebrauchen. Wir benötigen gute Fortbildungen, auch über externe Fortbildungsangebote.[/quote]

Autor/en

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Jennifer van de Loo Bis 2014 Teil des Teams Neue Nachbarschaft der Montag Stiftung Urbane Räume

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Marcus Paul Marcus Paul (* 1980) war von 2009-2016 Mitarbeiter der Montag Stiftung Urbane Räume. Nun ist er bei Startklar! Projektkommunikation und kümmert sich um Projekte im Landesprogramm "Initiative ergreifen". Seit 2015 baut er in Halle (Saale) ein neues Projekt im Programm "Initialkapital für eine chancengerechte Stadtteilentwicklung" auf. 2012-2015 verantwortete er die Entwicklung des Programms Neue Nachbarschaft. Marcus Paul studierte Architektur/Städtebau und Elektrotechnik an der RWTH Aachen. Nach seinem Studium arbeitete er in verschiedenen Architekturbüros in Aachen und Köln.