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Im Interview: Nachbarschaftsfonds Löbtau

Eine Gruppe junger Dresdener will sich in die Weiterentwicklung und die Vernetzung ihres Stadtteils Löbtau aktiv einbringen. Sie wollen dafür allen im Stadtteil die Gelegenheit geben, kleine Projekte zu starten, und dazu einen Nachbarschaftsfonds ins Leben rufen.

Wie sind Sie auf die Idee mit dem Nachbarschaftsfonds gekommen?

[quote]Wir haben gemerkt, dass oft Geld für kleine Anschaffungen oder dringende Investitionen fehlte. Das Schließsystem unseres Werk.Stadt.Ladens war mal kaputt und wir standen vor dem Problem, knapp 200,00 € für ein neues Schloss investieren zu müssen. Da kam uns die Idee mit dem Fonds. Über diesen können kleine Projekte Geld für dringende Investitionen beantragen und die Nachbarschaft entscheidet gemeinsam, ob das sinnvoll ist oder nicht.[/quote]

Der Nachbarschaftsfonds wurde sozusagen aus dem Werk.Stadt.Laden heraus entwickelt, richtig? Wie ist denn der Werk.Stadt.Laden überhaupt entstanden? Wer hat den Stein ins Rollen gebracht?

[quote]Eine Handvoll Leute hat sich immer wieder getroffen, um Kulturveranstaltungen oder Konzerte durchzuführen und gemeinsam ihren künstlerischen und handwerklichen Interessen nachzugehen. Irgendwann hat sich so viel Material angesammelt, dass klar wurde: „Wir brauchen einen Raum, in dem man zusammen arbeitet und in dem Materialien und Werkzeuge gelagert werden können“. Dieser Raum sollte offen sein für alle Menschen und immer wieder neue Ideen. So entstand der Werk.Stadt.Laden. Hier ist jeder willkommen, um Materialien, Werkzeuge und den Raum für seine Idee, sein handwerkliches oder künstlerisches Projekt zu nutzen.[/quote]

Wie funktioniert das denn im Alltag? Ist immer jemand vor Ort oder haben Sie feste Öffnungszeiten?

[quote]Seit einem halben Jahr haben wir jeden Montag geöffnet. Aber auch an den anderen Tagen kann man den Werk.Stadt.Laden nutzen. Man kann sich entweder vorher anmelden und jemand schließt auf, oder aber man kommt spontan vorbei. Im Schaufenster des Ladens und auf der Homepage findet man die Telefonnummern von Leuten, die einen Schlüssel haben. Meistens kann dann schnell jemand vorbei kommen und den Schlüssel übergeben.[/quote]

Wie finanzieren Sie den Werk.Stadt.Laden?

[quote]Aktuell finanziert ein Kern von sechs bis sieben Leuten den Raum. Ab und zu können wir durch kleinere Aufträge etwas Geld reinspielen und davon neues Werkzeug kaufen. Um eine stabile finanzielle Unterstützung zu gewährleisten, hat ein Kern von Leuten einen Verein gegründet. Über verschiedene Mitgliedschaftsformen kann so jeder, der im Werk.Stadt.Laden tätig ist, einen Beitrag zu seiner Unterstützung und Verstetigung des leisten.[/quote]

Was motiviert Sie und Ihre Mitstreiter, den Ort zu betreiben? Sind das die Leute, die kommen, sind das die verrückten Sachen, die sie dort machen…?

[quote]Zusammen etwas für die Gemeinschaft tun und gemeinschaftlich das direkte Lebensumfeld beeinflussen. Das ist es, was uns immer wieder antreibt. Und die Tatsache, dass mit dem Werk.Stadt.Laden als Gemeinschaftsprojekt Menschen darin unterstützt werden, handwerklich und künstlerisch tätig zu werden. Denn bei uns werden Ressourcen wie Werkzeuge und der Raum gemeinsam genutzt. Wer Feuer gefangen hat, der kann nicht mehr aufhören mit der Gemeinschaftsarbeit.[/quote]

Gab es kritische Punkte auf Ihrem Weg? Was war besonders wichtig? Und worauf sollte man als Nachahmer achten?

[quote]Die Kommunikation in einem solchen Projekt halte ich für sehr wichtig. Ein Gemeinschaftsprojekt muss auf gemeinschaftlicher Basis getragen werden. Interessenskonflikte können vielleicht nicht immer schnell im Plenum gelöst werden. Oft braucht es auch mal ein paar Wochen oder zwei, drei Monate, bis ein Konsens gefunden wird. Manche Entscheidungen brauchen Zeit – und die muss man den Menschen und dem Projekt geben. Aber auch die kleinen alltäglichen Herausforderungen darf man nicht unterschätzen. Viele Menschen nutzen das vorhandene Werkzeug. Wie kann ich es so sortieren, dass es übersichtlich und für alle leicht zu finden ist – und das bitte so günstig wie möglich. Wir brauchen also die Zeit, ein eigenes Sortiersystem zu bauen. Es gibt jeden Tag Herausforderungen und denen kann man sich am besten mit Zeit und Ruhe stellen.[/quote]

Von wem oder wie wünschen Sie sich Unterstützung?

[quote]Wir wünschen uns bei der Finanzierung des Projektes Unterstützung von öffentlichen Trägern oder Dritten. Wir möchten den Fonds im Sinne eines Matching-Funds aufbauen. Das heißt, dass private Spenden gesammelt werden und der andere Geldgeber, zum Beispiel die Kommune, diese Spende aufstockt oder sogar verdoppelt. Das würde besonders die privaten Spender motivieren und es gäbe ein Miteinander mit Bürgern und der öffentlichen Hand.[/quote]

Wo kann man Sie kennen lernen?

[quote]Wir bauen den Fonds derzeit auf und verbreiten die Idee bei Nachbarn, Bewohnern und Akteuren in der Stadt. Der nächste Schritt kann dann sein, dass wir über Crowdfunding im Internet und vor Ort erste Spenden sammeln. Vielleicht sind wir mit der Idee des Nachbarschaftsfonds auch bei kleineren Diskussionsveranstaltungen vertreten.[/quote]

Interessierte können sich sehr gerne mit uns in Kontakt setzten. Die Kontaktdaten finden Sie auf unserer Homepage: http://www.werkstadtladen.de/.

Autor/en

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Marcus Paul Bis 2015 Teil des Teams Neue Nachbarschaft der Montag Stiftung Urbane Räume.

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Jennifer van de Loo Bis 2014 Teil des Teams Neue Nachbarschaft der Montag Stiftung Urbane Räume


2 Antworten auf Im Interview: Nachbarschaftsfonds Löbtau

  1. […] nur auf den Bauprozess beschränkt, sondern auch Strukturmaßnahmen umfasst, zeigt das Projekt „Nachbarschaftsfond Löbtau“ des Werk.Stadt.Laden. aus Dresden. Die Idee ist die Entwicklung eines lokalen Förderprogramms […]

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