Foto: HauptwegNebenwege/EE

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Im Interview: Das Dorfhaus

Mit der Schließung der letzten Kneipe Gielsdorfs verloren die Bewohner einen wichtigen Raum für Veranstaltungen, Feiern und informelle Treffen. Daraufhin gründeten sie einen Verein, um gemeinsam ein Dorfhaus zu bauen und damit dem Ort einen neuen Mittelpunkt zu geben.

Wie ist die Idee entstanden; wer hat den Stein ins Rollen gebracht?

[quote]In den ortsansässigen Vereinen und bei den Bewohnern gab es eine breite Basis, die sich für einen Ersatz des verlorenen Treffpunktes aussprach. Zeitgleich startete die Gemeinde Alfter einen Gemeindeentwicklungsprozess und lud Bürgerinnen und Bürger ein, Probleme und Bedarfe in ihren Orten zu äußern. Dort kam die Idee auf, eine neue Fläche für einen möglichen neuen Treffpunkt zu finden, da der Standort der ehemaligen Kneipe nicht optimal war. Die Anregung wurde aufgenommen und eine ehemalige landwirtschaftliche Fläche als öffentliche Fläche umgewidmet.

Richtig ins Rollen kam die Idee nach einer Sitzung des Ortsausschusses. Dort diskutierten Vertreter der Vereine und Bewohner darüber, wie ein Ersatz für den verlorenen Treffpunkt gefunden werden kann. Zu Beginn stand noch die Idee eines Vereinshauses im Raum. Es waren aber auch sehr viele Bewohner interessiert, die keine Mitglieder in Vereinen waren und sich für einen neuen Treffpunkt einsetzten, so dass schnell die Idee zur Errichtung eines Dorfgemeinschaftshauses entstand. Zu der Gründungsveranstaltung des Vereins kamen fast 70 Interessierte zusammen. Ein großer Erfolg![/quote]

Wie wurde die Finanzierung für das Bauvorhaben ermöglicht?

[quote]Als Anschubfinanzierung haben wir einen kleinen Betrag aus dem Konjunkturpaket II erhalten. Dieser Beitrag war sehr wichtig für uns und hat Mut gemacht, das Projekt zu beginnen. Um die Kosten möglichst gering zu halten, haben wir uns entschieden, das Vorhaben in Bauabschnitte zu teilen. Den restlichen Betrag von ca. 100.000€ für den ersten Bauabschnitt haben wir durch die Unterstützung der Bewohner und ortsansässiger Firmen erhalten.

Die Mitglieder des Vereins sind von Tür zu Tür gegangen und haben Spenden gesammelt. Die Firmen und Handwerker aus dem Ort haben uns ebenfalls unterstützt und Leistungen zu sehr geringen Kosten erbracht. Wir konnten so ca. 30.000€ als Muskelkapital einbringen. Die Banken haben uns ebenfalls mit Krediten unterstützt.[/quote]

Gab es Stolpersteine oder Probleme in dem Projekt?

[quote]Im Grunde verlief bisher alles recht gut. Einziger Sorgenpunkt zu Beginn des Projektes waren die behördlichen Anforderungen der Ämter. Ein Brandschutzplan, die Ablösung von Ökopunkten oder ein Lärmschutzkonzept kosteten relativ viel Geld und sind ein hoher organisatorischer Aufwand. Mit Beginn des Bauvorhabens verlief dann wirklich alles reibungslos.[/quote]

Jetzt stehen Sie schon vor dem dritten Bauabschnitt. Was hat sich denn seit Beginn des ersten Bauabschnittes verändert, läuft das immer noch so glatt?

[quote]Auch bei dem zweiten und dritten Bauabschnitt ist alles reibungslos verlaufen. Für den zweiten Bauabschnitt sind wir noch mal von Haus zu Haus gegangen und haben um Spenden gebeten. Die Leute waren wieder gleichermaßen spendenbereit. Sehr beeindruckend war, dass auch Bewohner gespendet haben, die dem Projekt zu Beginn des ersten Bauabschnittes noch skeptisch gegenüber standen.[/quote]

Von wem oder wie wünschen Sie sich Unterstützung?

[quote]Wir benötigen noch Ausstattungsgegenstände wie eine Markise für die Terrasse, Rollladen, um die Innenräume abzudunkeln oder eine große Leinwand und einen Beamer. Es fehlen auch noch Schränke als Stauraum. Wir sind also weiterhin dankbar für Spenden.[/quote]

Autor/en

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Marcus Paul Marcus Paul (* 1980) war von 2009-2016 Mitarbeiter der Montag Stiftung Urbane Räume. Nun ist er bei Startklar! Projektkommunikation und kümmert sich um Projekte im Landesprogramm "Initiative ergreifen". Seit 2015 baut er in Halle (Saale) ein neues Projekt im Programm "Initialkapital für eine chancengerechte Stadtteilentwicklung" auf. 2012-2015 verantwortete er die Entwicklung des Programms Neue Nachbarschaft. Marcus Paul studierte Architektur/Städtebau und Elektrotechnik an der RWTH Aachen. Nach seinem Studium arbeitete er in verschiedenen Architekturbüros in Aachen und Köln.

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Jennifer van de Loo Bis 2014 Teil des Teams Neue Nachbarschaft der Montag Stiftung Urbane Räume